BU-Fall: Lange Leitung bei der Leistungsprüfung?

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Leistungsprüfung dauert und dauert und dauert

Die Leistungsprüfung dauert im Durchschnitt ein halbes Jahr (genau: 180 Tage). Allein der Zeitaufwand für Gutachten schlage mit 104 Tagen zu Buche. Damit hat sich die Prüfungsdauer eher noch verlängert. In der BU-Leistungsstudie für 2016 waren durchschnittlich 156 Tagen ermittelt worden. Das waren rund 1,5 Monate mehr als vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft angegeben.

Gerade von Selbstständigen und Freiberuflern verlangen BU-Versicherer eine mögliche und zumutbare Umorganisation des Betriebes, der Praxis oder Kanzlei. Mit einem veränderten Tätigkeitsfeld soll Berufsunfähigkeit abgewehrt werden. Die Analysen zeigt: Umorganisation und Verweisung auf eine andere Tätigkeit machen nur vier Prozent der insgesamt 3.596 Ablehnungen aus – siehe Grafik.

„Es gab also weniger als 150 Fälle von Umorganisation oder Verweisung. Damit werden so manche Hinweise auf unzähligen Websites und von sogenannten Experten obsolet“, erklärt Franke. Im Übrigen sinkt die Quote der abstrakten Verweisungen auch deshalb, weil zunehmend Verträge diese Möglichkeit gar nicht mehr erlauben.

BU im Schnitt mit 44 Jahren beantragt

Berufsunfähigkeit tritt gehäuft mit 50 Jahren und später auf. Das Durchschnittsalter aller ausgewerteten Fälle betrug 44,17 Jahre, die meisten Leistungsanträge kamen 2017 von der Altersgruppe der 47- bis 55-Jährigen. Aber auch Jüngere sind betroffen (procontra berichtete).

Die durchschnittliche Leistungsdauer beträgt im BU-Fall nur rund sechs Jahre. So erkläre sich, dass zwar statistisch jeder vierte Erwerbstätige im Laufe des Erwerbslebens berufsunfähig wird, aber trotzdem aktuell nicht einer von vier Menschen im arbeitsfähigen Alter betroffen ist. „Es sind schlicht nicht alle Betroffenen ein Leben lang und insbesondere nicht gleichzeitig berufsunfähig“, sagt Franke. Und es gibt Unterschiede bei Männern und Frauen (procontra berichtete).

Weitere Details haben die Analysten in ihrem „fb>blog“ veröffentlicht.

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