BU-Fall: Lange Leitung bei der Leistungsprüfung?

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die BU-Bedingungen und die Kundenantworten bei Vertragsabschluss auf die Gesundheitsfragen entscheiden maßgeblich über die BU-Leistung. Eine Auswertung der BU-Fälle von sechs namhaften Versicherern zeigt: Gutachten verzögern die Auszahlungen.

Im BU-Fall erwartet der Kunde schnelle Leistung, doch die individuelle Prüfung dauert immer länger, bemängelt Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter bei Franke und Bornberg. Bild: Stefan Neuenhausen

„Wenn der Kunde BU-Leistungen beantragt, schlägt für ihn die Stunde der Wahrheit“, erklärt Michael Franke. Und das Ergebnis der Leistungsprüfung sieht er weitgehend positiv: 2017 wurden bei sechs wichtigen Versicherern fast 83 Prozent aller BU-Leistungsanträge positiv beschieden. Das von Franke mitgeleitete Analysehaus Franke und Bornberg hatte kürzlich zum dritten Mal nach 2014 und 2016 eine Untersuchung zum Regulierungsverhalten der BU-Versicherer vorgelegt (procontra berichtete).

Die BU-Leistungspraxisstudie bezieht sich auf eigene Untersuchungen 2018 zum Geschäftsjahr 2017 von den erwähnten sechs BU-Versicherern, die zusammen über 50 Prozent aller Leistungsfälle 2017 abdecken: AachenMünchener, Ergo, HDI, Nürnberger, Swiss Life und erstmals auch die Allianz. Es sind dieselben Anbieter, die sich zuletzt dem BU-Unternehmens-Rating bei Franke und Bornberg unterzogen hatten und allesamt „hervorragend“ bewertet wurden (procontra berichtete).

Kunden oft nicht zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig

Bei diesen Anbietern wurden 2017 nur gut 17 Prozent aller BU-Leistungsanträge abgelehnt. Häufigster Grund ist, dass der versicherte Grad der Berufsunfähigkeit (mindestens 50 Prozent sind nötig) nicht erreicht wurde (56 Prozent). Zweihäufigste Ursache sind Anfechtung oder Rücktritt durch den Versicherer wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht durch den Kunden (24 Prozent)

Die BU-Leistungsquote dieser Versicherer beträgt 2017 bei insgesamt 32.808 neuen BU-Leistungsanträge 82,86 Prozent (2016: 76 Prozent). Bei schweren Erkrankungen wie Krebs liege die Quote noch höher. „Von systematischer Leistungsverweigerung kann zumindest bei den teilnehmenden Gesellschaften keine Rede sein“, berichtet Franke. Verweigerung sehe anders aus (procontra berichtete). Allerdings müssen Gerichte immer wieder Streitfälle entscheiden (procontra berichtete).

Viele BU-Versicherer verweigern sich der Transparenz

Allerdings hat die Masse der Anbieter auch keine Daten beigetragen und wurde nicht vor Ort getestet. Auch die im Vorjahr noch teilnehmenden Gesellschaften Stuttgarter und Zurich Deutscher Herold waren diesmal nicht dabei. Für ein realistisches Bild der BU-Leistungspraxis sorgt die Stichprobe dennoch: Es wurden 14.500 Fälle ausgewertet. Im Bestand der sechs Anbieter gibt es 6,82 Millionen BU-Verträge, von denen rund 142.200 Kunden BU-Leistung beziehen.

Die Anerkennung von Berufsunfähigkeit erfolgte 2017 zu 92,7 Prozent bedingungsgemäß, zu 5,3 Prozent auf Basis einer individuellen Vereinbarung und zu 2,0 Prozent vor Gericht. Bei den Ablehnungen nach Krankheitsbild führen die psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen mit über 30 Prozent der BU-Leistungsanträge das Feld an, gefolgt von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und Bindegewebes (27 Prozent) und Herz-Kreislauf-Krankheiten (15 Prozent).

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