Allein die PKV wird täglich tausendfach betrogen

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Die Digitalisierung fördert das Milliardengeschäft Versicherungsbetrug. Doch auch die Versicherer rüsten auf und wollen Betrüger per Selfie-Videos oder Bild- und Textforensik überführen. Woran die Anbieter sonst noch tüfteln.

Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten für den Versicherungsbetrug. Doch auch die Versicherer nutzen den Fortschritt, um kriminelle Machenschaften aufzudecken. Zum Einsatz kommt vor allem moderne Technik, aber auch Psychologie.

Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten für den Versicherungsbetrug. Doch auch die Versicherer nutzen den Fortschritt, um kriminelle Machenschaften aufzudecken. Zum Einsatz kommt vor allem moderne Technik, aber auch Psychologie. Bild: Pixabay

Auto-Liebhabern werden bei diesem Anblick die Tränen gekommen sein: Im November 2010 fuhr der Besitzer eines über eine Million Dollar teuren Bugatti Veyrons in den Golf von Mexiko. So schnell wie der Luxusbolide im Wasser landete, so schnell meldete sich Besitzer Andy House auch bei seiner Versicherung. Ein tief fliegender Pelikan hätte ihn abgelenkt, begründete der Texaner seine Tauchfahrt. Seinen „Unfall“ hatten andere Verkehrsteilnehmer jedoch gefilmt – die Aufnahmen zeigten deutlich, dass House den Wagen seelenruhig ins Wasser steuerte.

So leicht wie in diesem Fall haben es Versicherer selten, einen Betrug zu erkennen. Jahr für Jahr entsteht den deutschen Assekuranzen ein Schaden in Höhe von fünf Milliarden Euro, schätzt Peter Holmstoel, Referent für Kriminalitätsbekämpfung beim GDV, im Interview mit procontra.

„Durch die Digitalisierung sind Programme zur Bildmanipulation wie Photoshop in den vergangenen Jahren auch für Laien wesentlich leichter verfügbar geworden“, beschreibt Gunnar Tacke, Managing Business Analyst bei Capgemini, das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Betrügern und Versicherern, das durch die Digitalisierung in eine neue Runde gegangen ist. „Die Versicherer haben zudem durch ihre Self-Service-Portale die psychologische Hemmschwelle für Betrügereien gesenkt“, fügt Tacke hinzu.

Versicherer rüsten auf

Doch auch die Versicherer rüsten auf. „Die Digitalisierung bietet ebenfalls den Versicherern neue Chancen“, findet Dr. Martin Steinebach vom Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie. Mittels computerbasierter Auswertungen könnten Schadensfälle nicht nur effizienter bearbeitet werden, es entstünden auch neue Analyseverfahren zur Betrugsaufdeckung.

Hierzu gehören Bild- und Textforensik oder auch die Finanzdatenanalyse. Insbesondere die Bildforensik steht bei vielen Versicherern hoch im Kurs, bietet sie doch neben der Manipulationserkennung zahlreiche weitere Möglichkeiten: So gibt es „effiziente Suchmethoden, mit denen man feststellen kann, ob ein Bild bereits in einem anderen Fall ebenfalls als Beleg eingereicht wurde. Dies ließe sich sogar datenschutzkonform zu einer versicherungsübergreifenden Datenbank ausbauen“, erklärt Steinebach.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das niederländische StartUp Brightmaven. Dessen Software „Sjerlok“ durchsucht Social-Media- und Verkaufsplattformen im Internet nach gestohlenen Gütern, beispielsweise Autos. Obwohl man noch in der Anlaufphase sei, habe man für die drei deutschen Versicherer, mit denen man bislang zusammenarbeite, Autos im Wert von 400.000 Euro wiedergefunden, teilt Gründer Peter van Marwyk mit.

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