Zyklische Titel: Anzeichen für Aufwind?

Investmentfonds von Michael Fiedler

Ob Handelsstreit, sinkendes Wirtschaftswachstum oder sinkende Gewinnerwartungen: Der europäische Aktienmarkt trotzte im ersten Halbjahr 2019 den Herausforderungen. Doch bleibt das auch in der zweiten Jahreshälfte so? Wie Experten die Situation einschätzen.

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Maarten Geerdink, Head of European Equities bei NN Investment Partners, erklärt die Dividendenstrategie für das zweite Halbjahr. Bild: NN IP

Wie wird sich der europäische Aktienmarkt im zweiten Halbjahr 2019 entwickeln? NN Investment Partners (NN IP) sieht positive Anzeichen. Die europäischen Unternehmensgewinne hätten ihren Tiefstand erreicht. Die Aussichten für die Unternehmensmargen sieht NN IP allerdings nach wie vor unsicher: Sie hätten sich zwar gut erholt, würden aber Ermüdungserscheinungen zeigen. Das Umsatzwachstum ist der wichtigste Treiber dieser Margen, da es steigende Rohstoffpreise und Löhne ausgleicht.

Aktien: Was über Performance entscheidet

Entscheidend für die Performance von Aktien ist aber auch die Geldpolitik. Im Juni deuteten sowohl die EZB als auch die US-Notenbank auf mögliche Zinssenkungen ab Juli hin. Für europäische Aktien sei dies ein zweischneidiges Schwert, da ein länger anhaltendes Niedrigzinsumfeld dem Finanzsektor, der 18 Prozent des Index ausmacht, Gegenwind beschert, schätzt NN IP die Lage ein. Als „Value“-Markt schneide Europa am besten ab, wenn sich die globalen Wachstumsaussichten verbessern und die Renditen steigen. Dennoch seien Zinssenkungen notwendig, um die langfristigen Stagnationsängste zu bekämpfen, die Japan seit vielen Jahren beherrschen und die die Risikoprämien von Aktien in die Höhe getrieben haben, nämlich auf 7,6 Prozent in Japan im Vergleich zu 6,8 Prozent in Europa.

Zyklische Titel: Anzeichen für Aufwind

Obwohl NN IP Anzeichen für ein Aufwärtspotenzial zyklischer Titel sieht, bleibt das Unternehmen vorerst ausgewogen positioniert. Dazu Maarten Geerdink, Head of European Equities bei NN Investment Partners: „In unseren europäischen Dividendenstrategien behalten wir derzeit eine ausgewogene Positionierung in Bezug auf zyklische und defensive Titel bei, da wir erst eine Bestätigung für verbesserte wirtschaftlichen Rahmenbedingungen benötigen, bevor wir unsere Ausrichtung auf zyklische Titel erhöhen. Im defensiven Bereich meiden wir die sehr teuren Luxuswerte und langlebigen Konsumgüteraktien sowie anleiheähnliche Papiere (Lebensmittelproduzenten und regulierte Versorger). Stattdessen konzentrieren wir uns auf die preislich attraktiveren defensiven Segmente, wie z.B. gewisse Grundbedarfsgütertitel und Pharmaunternehmen. Im zyklischen Bereich sehen wir Chancen in höherwertigen Unternehmen mit Turnaround-Potenzial. Qualitativ hochwertige Unternehmen wie Siemens, Prysmian, Covestro und CRH sollten unserer Meinung nach von besseren Makrobedingungen profitieren. Sie werden aber auch von verbesserten unternehmensspezifischen Faktoren vorangetrieben, die Wertpotenzial freisetzen können."

Wenn es gelingt, größere Klarheit bei politischen Risiken zu schaffen (Italien und Brexit) und die jüngsten Anzeichen für eine Konjunkturerholung zu bestätigen, sieht NN IP „vielversprechende Aussichten“. Dies gelte besonders in wachstumsorientierten zyklischen Branchen wie Industrie oder Werkstoffe. Zudem könnten die Märkte durch fiskalische Impulse gestärkt werden, so NN IP.

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