Umstrittene Schülerversicherung wird fortgesetzt

Versicherungen von Florian Burghardt

Noch vor einem Jahr wurde sie für ihren Vertrieb im Klassenzimmer gescholten. Nun erstrahlt die vom BdV „prämierte“ WGV-Schülerversicherung im neuen Gewand und wird in Teilen Baden-Württembergs fortgesetzt. Die Fakten.

Schülerinnen und Schüler aus Stuttgart und Umgebung werden die Zusatzversicherung künftig kostenlos erhalten. Ein Vertrieb im Klassenzimmer wird nicht mehr stattfinden.

Schülerinnen und Schüler aus Stuttgart und Umgebung werden die Zusatzversicherung künftig kostenlos erhalten. Ein Vertrieb im Klassenzimmer wird nicht mehr stattfinden. Bild: Pixabay

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg werden auch im kommenden Schuljahr einen zusätzlichen Versicherungsschutz erhalten. Denn für die 78.125 jungen Menschen an den kommunalen Lehreinrichtungen der Stadt Stuttgart wird die in die Kritik geratene Schülerversicherung fortgesetzt – allerdings mit einem veränderten Konzept. Das berichtet die Stuttgarter Zeitung mit Verweis auf einen entsprechenden Beschluss in der gestrigen Sitzung des zuständigen Gemeinderats.

Demnach wird die Stadt einen Gruppenvertrag mit dem bisherigen Versicherer, der WGV, schließen. Der Schutz soll weiterhin eine Unfall-, Sachschaden- und Haftpflichtversicherung umfassen, die private Risiken mit schulischem Charakter abdecken. Darunter fallen beispielsweise Klassenausflüge und Aufenthalte im Schullandheim, aber auch das Abweichen vom direkten Nachhauseweg, um zum Beispiel zur Nachhilfe oder zur Musikschule zu gelangen. Viele Unternehmen würden zudem bei Schülerpraktika den Nachweis einer privaten Haftpflichtversicherung verlangen.

Kein Vertrieb mehr im Klassenzimmer

Diesen Nachweis kann auch in Zukunft klassenweise erbracht werden und muss nicht von den Eltern für jedes Kind einzeln eingesammelt werden. Denn die Stadt Stuttgart schließt die Versicherung einfach pauschal für alle Schüler ab und trägt auch die gesamten Kosten von rund 63.000 Euro pro Schuljahr. Dasselbe Konzept wurde Ende Juni bereits für die Schulen im Landkreis Stuttgart beschlossen.

Damit ist der Abschluss für die Schülerinnen und Schüler zwar nicht mehr freiwillig, er ist für sie aber auch mit keinen Pflichten mehr verbunden (wie etwa der Beitragszahlung von zuvor einem Euro pro Schuljahr). Durch den pauschalen Gruppenvertrag entfällt auch die Erhebung persönlicher Daten sowie der Vertrieb durch die Lehrer im Klassenzimmer.

Kritik des BdV

Letzteren hatte vor allem der Bund der Versicherten (BdV) scharf kritisiert. Auch für ihre schwachen Leistungen hatten die Verbraucherschützer die Schülerversicherung im vergangenen Jahr ihrem Negativpreis „Versicherungskäse des Jahres“ ausgezeichnet.

Zwar hatten die Verantwortlichen der Schülerversicherung damals betont, dass sie mit ihrem Produkt zu keiner Zeit einen umfassenden privaten Schutz ersetzen wollten, sondern diesen sogar begrüßen. In der Folge der anhaltenden Kritik hatte man sich dann aber entschlossen, den Gruppenvertrag mit dem Bundesland zu kündigen und das Konzept – wie nun geschehen – zu überarbeiten.

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