Sofortrenten: Verbraucherschützer beklagen hohe Kosten

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert HDI, Alte Leipziger, Württembergische, LV 1871 und Allianz für die hohen Kosten ihrer Sofortrenten. Diese erreichen bis zu 6 Prozent der Beitragssumme. procontra bat die Lebensversicherer um Stellungnahme.

Verbraucherzentrale Hamburg an den Sofortrenten von HDI, Alte Leipziger, Württembergische, LV 1871 und Allianz. Mit Blick auf die Gesamtkostenquote ergibt sich aber ein anderes Bild.

Bis zu 6 Prozent Kosten: Das kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg an den Sofortrenten von HDI, Alte Leipziger, Württembergische, LV 1871 und Allianz. Mit Blick auf die Gesamtkostenquote ergibt sich aber ein anderes Bild. Bild: VZHH

„Versicherer bitten Kunden bei Sofortrenten zur Kasse“ – so titelt die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) in einer aktuellen Pressemitteilung. Bis zu 6 Prozent des Verrentungsbetrags würden manche Lebensversicherer allein für Abschluss- und Vertriebskosten berechnen. Darüber hinaus würden jedes Jahr noch zusätzliche Verwaltungskosten anfallen. Das habe eine eigene stichprobenartige Auswertung von 5 großen Anbietern ergeben.

Zum Vergleich weist man bei der VZHH darauf hin, dass die Lebensversicherer durch das im Jahr 2014 verabschiedete Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) eigentlich nur noch 2,5 Prozent der Beitragssumme bilanziell als Kosten geltend machen können. Wie der procontra-LV-Check in seinen jährlichen Erhebungen herausgefunden hat, sind seit Einführung des LVRG sowohl die Abschlusskosten als auch die Verwaltungskosten der Lebensversicherer gesunken.

Der sogenannte Höchstzillmersatz gilt aber nur für Verträge mit laufender Beitragszahlung, also nicht für Sofortrenten. Kerstin-Becker-Eiselen von der VZHH kritisiert: „Verbraucher mit einer Sofortrente werden gegenüber denjenigen mit einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung spürbar benachteiligt. Hier muss der Gesetzgeber nachbessern und dafür sorgen, dass die Kostenbelastung für Verbraucher sinkt, sodass sie nicht um ihr Geld für den Ruhestand gebracht werden.“

6 Prozent Kosten bei HDI

Untersucht hatten die Verbraucherschützer die Angebote für eine 65-jährige Person, die 50.000 Euro verrenten lassen will. Die Rente solle teildynamisch sein, ein Hinterbliebenenschutz war nicht gewünscht. Unter dem Strich standen Abschluss- und Vertriebskosten (AVK) zwischen 2,5 und etwa 6 Prozent:

  • HDI Lebensversicherung AG: 3.022,61 Euro (2.998,61 Euro Abschluss- und Vertriebskosten + 24 Euro Verwaltungskosten zu Vertragsbeginn) -> etwa 6 Prozent AVK

  • Alte Leipziger Lebensversicherung: 2.766,98 Euro (1.999,26 Euro Abschluss- und Vertriebskosten + 767,72 Euro Verwaltungskosten zu Vertragsbeginn) -> etwa 4 Prozent AVK

  • Württembergische Lebensversicherung AG: 2.399,87 Euro (1.999,89 Euro Abschluss- und Vertriebskosten + 399,98 Euro Verwaltungskosten zu Vertragsbeginn) -> etwa 4 Prozent AVK

  • Lebensversicherung von 1871 a. G. (LV 1871): 2.250 Euro (1.250 Euro Abschluss- und Vertriebskosten + 1.000,00 Euro Verwaltungskosten zu Vertragsbeginn) -> etwa 2,5 Prozent AVK

  • Allianz Lebensversicherungs-AG: 1.999,98 Euro (1.999,98 Euro Abschluss- und Vertriebskosten zu Vertragsbeginn) -> etwa 4 Prozent AVK

procontra hat die genannten Versicherer um Stellungnahme zur VZHH-Kritik gebeten. Wie sie sich geäußert haben, lesen Sie auf Seite 2 dieses Artikels.

Seite 1: VZHH kritisiert hohe Kosten bei Sofortrenten
Seite 2: So äußern sich die Lebensversicherer

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