Schwerer Unfall mit Slackline: Wer haftet?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Eine über einen gemeinsamen Fahrrad- und Fußgängerweg gespannte Slackline wurde einer Radlerin zum Verhängnis. Ob sie dennoch selbst für ihre bleibenden Schäden mitverantwortlich ist, musste das OLG Karlsruhe entscheiden.

Bei schönem Wetter im Stadtpark auf der Slackline balancieren macht Spaß. Doch dabei kann noch weit Schlimmeres passieren als nur ein 20 Zentimeter tiefer Sturz ins Gras.

Bei schönem Wetter im Stadtpark auf der Slackline balancieren macht Spaß. Doch dabei kann noch weit Schlimmeres passieren als nur ein 20 Zentimeter tiefer Sturz ins Gras. Bild: Pixabay

Slacklines machen Spaß. Das kunstvolle Balancieren auf den elastischen Bändern ist anspruchsvoll und sorgt in Freibädern und Stadtparks regelmäßig für Zuschauergruppen – vor allem jetzt im Sommer. Doch die meiste über zehn Meter und mehr gespannten Bänder bergen auch Gefahren.

Diese bekam eine Frau am eigenen Leib zu spüren, als sie in Begleitung ihres Mannes mit den Fahrrädern im sogenannten Sportgelände im Freiburger Stadtteil Rieselfeld unterwegs war. Dabei befuhren sie ordnungsgemäß einen gemeinsamen Rad- und Fußweg. Über diesen hatten allerdings drei junge Männer eine Slackline gespannt. Wie sie später erklärten, weil es keinen anderen geeignete Ort dafür gegeben habe. Die Radlerin fuhr direkt in das Band hinein, wurde von diesem abrupt gebremst und wurde dadurch über ihren Lenker geschleudert.

Bleibende Schäden

Beim Aufprall auf den Asphaltboden zog sie sich eine Gehirnerschütterung, eine Schultereckgelenksprengung mit Teilzerreißung des Kapsel-/Bandapparates und eine Prellung der Wirbelsäule zu. Diesen Verletzungen folgten zwei Operationen, drei Krankenhausaufenthalten und einer Rehabilitationsmaßnahme sowie etwa fünf Monate Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund bleibender Schmerzen und körperlichen Beeinträchtigungen sowie Sachschaden und Verdienstausfall klagte die Frau gegen die drei Männer.

Vor dem Landgericht Freiburg (Az.: 14 O 435/12) wurden der Frau zwar 10.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, aber nur ein Teil des eingeklagten materiellen Schadens. Dagegen hatten beiden Parteien Berufung eingelegt.

Kein Mitverschulden

Das Oberlandesgericht Karlsruhe änderte diese Entscheidung in seinem Urteil vom 16.07.2019 teilweise ab (Az.: 14 U 60/16). Nach der Einholung eines technischen Gutachtens konnte es ein Mitverschulden der Klägerin ausschließen. Auch mit Blick auf die durch den Unfall eingeschränkten beruflichen Möglichkeiten der Klägerin wurde das Schmerzensgeld auf 25.000 Euro erhöht. Denn das Wegstück, auf dem die Frau mit dem Fahrrad unterwegs war, ist abschüssig. Sie war somit aufgrund der örtlichen Begebenheiten ohnehin etwas schneller unterwegs als in der Geraden. Zudem musste sie vor der Unfallstelle zunächst eine leichte Linkskurve und dann eine Rechtskurve durchfahren und sah die über den Weg gespannte Slackline erst sehr spät.

Aufgrund einer Breite von ca. 3-5 Zentimetern und einer Höhe von nur ca. 2-3 Millimetern könne man die Slackline im ungünstigsten Fall erst etwa 5 Meter vor deren Erreichen erkennen, so die Richter. Demnach könne man trotz aufmerksamer Fahrweise schon bei einer Geschwindigkeit von 15 Stundenkilometern nicht mehr rechtzeitig vorher anhalten. „Derjenige, der die Slackline spanne, könne daher vollumfänglich für die Folgen eines solchen Unfalls haften“, heißt es von Seiten des Gerichts. Es verpflichtete die drei Männer deshalb dazu, der Frau auch alle künftigen materiellen und immateriellen Schäden aus dem Unfall zu ersetzen.

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