Schwellenländer - zu exotisch für Deutsche?

Investmentfonds Investment-Talk Top News von JAN F. WAGNER

procontra: Wie geht es weiter mit den Kapitalmärkten in 2019? Das Umfeld scheint günstig, weil die Zinswende ausgeblieben ist und weil das starke Wachstum in den USA und Asien noch anhält...

Berben: Da will ich Ihnen nicht widersprechen. Wir wollen aber unterstreichen, dass wir langfristige Investoren sind. Wir wollen Anleger von dieser „Börse am Abend“-Mentalität wegbekommen, wo man sagt: „Heute hat die Börse fast drei Prozent verloren. Droht jetzt der nächste große Crash?“ Fondsinvestments sollten für mindestens fünf und im Idealfall für weit über zehn Jahre getätigt werden. Auf der Langzeitachse gesehen wird jemand wie Trump übrigens keine Rolle mehr spielen. Wir leben in einer Zeit wo es keinen globalen Krieg mehr gibt und wo die internationale Kooperation zugenommen hat. Von daher sind wir zuversichtlich, was die Anlage in Produktivkapital, sprich Aktien angeht. Das größte Risiko, das ich sehe, ist die nächste große Schuldenkrise eines Landes wie wir sie mit Griechenland in 2010 erlebt haben.

Kunde klassifizieren und Standardfonds?

procontra: In Ihrem letzten Jahresabschluss sprechen Sie noch von der Einführung eines „Robo-Advisors“ – was haben Sie konkret vor?

Berben: Wir wollen nicht den 85sten Robo-Advisor in Deutschland einführen. Hier geht es vielmehr um ein digitales Werkzeug für Fondsberater. Es könnte so aussehen: Angenommen, ein Anleger will mit seinem eingesetzten Kapital 50.000 Euro in zehn Jahren verdienen. Der Berater kann recht einfach berechnen wie hoch die zu erzielende Rendite ausfallen muss. Das ist kein Hexenwerk. Aber in Zukunft soll der Berater Anleger auf dieser zehnjährigen Reise begleiten können. Mit unserem Werkzeug sollen Abweichungen von den Zielen festgestellt werden und Korrekturen vorgenommen werden können, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus unserem Fondsmanagement. Wir wollen von der klassischen Beratung wegkommen, wo ich den Kunden klassifiziere und ihm dann ein Standard-Fondspaket anbiete. Für diese Idee führen wir im Vorfeld Gespräche mit einigen größeren Vertriebshäusern.

Anmerkung: Das Interview erschien zuerst in procontra - Das unabhängige Finanzmagazin 03/2019. Im ersten Teil des Interviews ging es um die Folgen von Regulierung für den Vertrieb von Fondsanlagen.

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