Schwellenländer - zu exotisch für Deutsche?

Investmentfonds Investment-Talk Top News von JAN F. WAGNER

Warum Schwellenländer trotz Trump lohnende Ziele für Geldanlagen sind und wie sich Franklin Templeton einen RoboAdvisor vorstellt, der "Reisebegleiter" für den Anleger während seines Investments ist, verraten Reinhard Berben und Peter Gorynski im Interview mit procontra.

Schwellenländer Fonds Aktien Kenia

RoboAdvisor als "Reisebegleiter" und Geldanlagen, die zu exotisch für Deutsche sind? (Symbolbild) Bild: shutterstock.com

procontra: Wie sind die Aussichten für ihre Schwellenländer-Fonds? Deutsche Privatanleger sind mit 2,3 Milliarden Euro in den Produkten investiert. Stellt nicht der Handelsstreit zwischen den USA und China ein großes Risiko dar?

Berben: Die Aussichten sind trotz des Säbelrasselns von Donald Trump gut. Man muss festhalten, dass der Anteil des Handels zwischen den USA und China nur fünf Prozent des Welthandels ausmacht. Zudem hat der innerasiatische Handel in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Wir erleben also Wachstumsraten in der ganzen Region – also nicht nur China – von mindestens drei bis knapp sieben Prozent. Unsere Aktienfonds profitieren von dem starken Wachstum in der Region. Globale Handelskonflikte wirken sich weniger auf die Schwellenländer aus, in die wir investieren.

Gorynski: Anleger schätzen den „Templeton Asian Smaller Companies Fund,“ weil das Portfolio eine Art ein Trump-Hedge sein soll. Der Fonds investiert in die sogenannten „Hidden Champions“ – also attraktive asiatische Unternehmen aus der zweiten Reihe. Das macht ihn für die Entwicklungen auf der globalen Ebene weniger anfällig. Dies konnten wir 2018 unter Beweis stellen. Bis zum Halbjahr lag der Fonds noch im Plus, während der Vergleichsindex zehn Prozent verlor. Er schloss zwar das Gesamtjahr mit einem Minus ab, aber der Verlust war geringer als für den Index. Und in den letzten zehn Jahren hat der Fonds jährlich zehn Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der Dax hat in der Zeitperiode eine jährliche Rendite von fünf Prozent gehabt.

Schwellenländer: Wo sind Wachstumschancen?

procontra: Sind Schwellenländer für deutsche Anleger zu exotisch?

Gorynski: Vor zwei Jahren war das Thema in Deutschland schwer zu vermitteln. Es wurde als Nischenthema abgestempelt. Heute ist das anders, auch weil man sich fragt: Wo sind die besten Wachstumschancen? Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Von den elf Millionen Autos, die VW produziert, werden 700.000 in den USA verkauft. Eine stolze Zahl, aber kein Vergleich zu China, wo VW über vier Millionen Autos verkauft. Das zweite Argument, das gegen ein Investment in die Schwellenländer gebracht wurde, war die Schwankungsintensivität der Region. Aber das stimmt nicht mehr. Wenn ich mir unseren Asian Smaller-Fonds anschaue, hat er in den letzten zehn Jahren den Dax nicht nur geschlagen, sondern seine Volatilität war auch niedriger als für den deutschen Index.

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