Riester-Rente: Besser aufrüsten als abwracken

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Break-Even mit 78 Jahren

Neben einer Renditekennziffer nimmt das IVFP Break-Even-Berechnungen vor. Dabei wird ermittelt, wann die Nettoleistungen (Rente nach Steuer) den Nettoaufwand/-einzahlungen (Eigenbeitrag nach Steuerersparnis) übersteigen. Unter der Annahme des Musterfalls übersteigen die gezahlten Netto-Renten die geleisteten Netto-Beiträge nach durchschnittlich 14 Jahren in der Rentenphase. Dies entspricht einem Durchschnittsalter von 78 Jahren im untersuchten Riester-Kollektiv. Dann ist die Gewinnzone erreicht.

Die durchschnittliche Lebenserwartung im Kollektiv beträgt 89 Jahre bei Verwendung der genannten Sterbetafel. Demnach profitieren sehr viele Kunden, die diese statistische Lebenserwartung erreichen oder übertreffen, noch elf Jahre lang von der jährlich steigenden Riester-Rendite.

Musterfall: Mehr Riester-Rente als gesetzliche Rente

Auf Basis anonymisierter Daten von über 14.000 Riester-Verträgen von drei Riester-Anbietern, die bereits in der Auszahlphase sind, wurde die Riester-Rentenhöhe eines Standardrentners (gemäß Rentenversicherungsbericht) für unterschiedliche Kohorten ermittelt. Für die Kohorte Versicherungsbeginn 2002, Rentenbeginn 2017 und Rentenstart mit 65 beträgt die durchschnittliche Rentenhöhe eines Standardrentners etwa 88 Euro. Zum Vergleich: Die Prognose für einen Standardrentner derselben Kohorte beträgt in der gesetzlichen Rentenversicherung nur etwa 84 Euro.

„Unsere Studienergebnisse und die Tatsache, dass sich 16,6 Millionen Sparer für die Riester-Rente entschieden haben, unterstreichen den Erfolg dieser Vorsorgeform“, sagt Hauer. Zum Vergleich: Es gibt 15,1 Millionen freiwillig bAV-Versicherte (neben 5,7 Millionen Pflichtversicherten aus der Zusatzversorgung des Öffentlichen Dienstes). „Statt mit neuen Instrumenten, die die Altersvorsorgelandschaft in Deutschland noch komplexer machen, gilt es jetzt, die Riester-Rente sinnvoll zu reformieren“, so Hauer weiter (procontra berichtete).

Aufrüsten: Dringender Reformbedarf

Fördersystematik und laufende Verwaltung müssten deutlich vereinfacht werden. Ebenso sollte die obligatorische Beitragsgarantie flexibilisiert und den Kunden die Wahlmöglichkeit gegeben werden, in chancenreichere Produkte zu investieren. Nach wie vor gäbe es aufgrund der verpflichtenden Beitragsgarantie eine viel zu geringe Tarifauswahl und -vielfalt in der Riester-Rente. Sinnvoll sei auch eine Dynamisierung der Förderung (procontra berichtete).

Kern des Reformvorschlags ist die Abschaffung von unmittelbarer und mittelbarer Förderung. Wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig oder sozialversichert ist, soll förderberechtigt sein und neben den Grund- und Kinderzulagen eine Förderung von mindestens 50 Prozent auf jeden Euro Eigenleistung erhalten. Diese würde die bisherige Steuerförderung für Besserverdiener ersetzen und flösse dann in die Verträge statt wie bisher auf das Girokonto.

„Im Ergebnis sollten die Riester-Renten zwischen 30 und 38 Prozent steigen“, sagte Frank Breiting, Leiter private Altersvorsorge der DWS Group. Das könnte auch Rückforderungen von Zulagen weitgehend verhindern. Die Studie steht hier zum Download bereit.

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