Pro/Contra Indexpolicen: „Gute Lösung“ oder „Finger weg“?

Berater LV-Check Versicherungen Top News von Prof. Michael Hauer und Prof. Dr. Hartmut Walz

Bereits in der ersten Auflage meines Buches „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“ habe ich mich klar gegen Indexpolicen (im folgenden IP) ausgesprochen. Doch die aktuelle Diskussion droht auf irrelevante Nebenschauplätze abzugleiten. Daher nochmals die zentralen Argumente, warum IP für den Kunden unvorteilhaft und verbraucherunfreundlich sind und bestenfalls kurzfristig dem Anbieter nutzen – langfristig jedoch das Verbrauchervertrauen in Versicherungsprodukte noch weiter ruinieren werden.

IP sind irreführend und profitieren vom guten Ruf von Indexinvestments wie zum Beispiel Indexfonds oder ETFs. Indexpolicen sind jedoch lediglich Index-Wetten. Und zwar schiefe Wetten – zuungunsten des Privatanlegers. Sie provozieren die falsche Erwartung, höhere Rendite sei ohne höheres Risiko realisierbar – was ebenso unmöglich ist, wie die Aufhebung der Schwerkraft.

Wer an Wunder glaubt…

IP lenken hierbei die Wahrnehmung des Kunden manipulativ auf kurzfristige Kursschwankungen. Jedoch ist Zweck einer Police allein schon aufgrund der steuerlichen Rahmenbedingungen ein langfristiger Spar- oder Vorsorgeprozess. Also wird die Aufmerksamkeit des Kunden auf ein nicht vorhandenes Problem gelenkt, um dieses anschließend überteuert zu „lösen“.

Ein kurzer Blick auf das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstitutes bei Anlagezeiträumen zwischen 12 und 30 Jahren zeigt nämlich kein einziges Verlustergebnis. Bereits deshalb sind IP für Privatanleger nutzlos, da sie – wenn man Wunder ausschließt – keinen Mehrwert erbringen.

Überteuert, kompliziert, intransparent und meist unverständlich

Im Vergleich zu klassischen Rentenversicherungen, die auch schon nicht gerade preiswert sind, liegen ihre Kosten durchschnittlich nochmals um ein Drittel bis zur Hälfte höher. Die Kosten führender Nettopolicen werden durch IP sogar um den Faktor fünf übertroffen! Gegenüber einem günstigen ETF-Sparplan liegen sie beim 15- bis 20-fachen. Das muss ein Steuervorteil erst einmal wieder kompensieren – und bei den häufigen Vertragsauflösungen ist das mit Sicherheit nicht der Fall.

Hinsichtlich der Form und Begrenzung an der Indexpartizipation – asymmetrische Zeiträume, volle Beteiligung an Verlusten bei gleichzeitiger Begrenzung an Gewinnen – existiert ein von Anbieter zu Anbieter unterschiedliches, unübersichtliches Gestrüpp schwer verständlicher Regelungen, die oft auch die Mittler selbst nicht oder nur oberflächlich verstehen. Doch der Teufel steckt gerade im Detail: Wer nämlich zum Beispiel seinen Kunden eine Indexpartizipation an einem zeitungsbekannten Standardindex anbietet, jedoch im Kleingedruckten versteckt, dass nicht der bekannte Performance- sondern nur der weniger bekannte Kursindex ohne Dividenden zugrunde gelegt wird, hat sich den Vorwurf der Mogelpackung redlich verdient und verspielt das Vertrauen seiner Kundschaft nachhaltig.

Seite 1: Pro – Chance auf mehr Rendite
Seite 2: Contra – Der Teufel steckt im Detail

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare