„Privatanleger werden kaum ermutigt, Fonds zu kaufen“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von JAN F. WAGNER

Deutschen Sparern Fonds zur Vermögensbildung schmackhaft zu machen, ist kein leichtes Brot. Reinhard Berben, Geschäftsführer für Deutschland bei Franklin Templeton Investments und Vertriebsleiter Peter Gorynski im Interview mit procontra wie man trotz Regulierungsplänen Fondsgeschäft schreibt.

Franklin Templeton Investments

Reinhard Berben (links), Geschäftsführer für Deutschland bei Franklin Templeton Investments und Vertriebsleiter Peter Gorynski (re.) über Marktaussichten und die Schwierigkeit, deutschen Sparern Fonds zur Vermögensbildung schmackhaft zu machen. Bild: Franklin Templeton

procontra: Herr Berben, der US-Vermögensverwalter Franklin Templeton ist seit 1992 am deutschen Markt. Wie groß ist Ihr Geschäft hierzulande?

Reinhard Berben: Wir sind einer der größten ausländischen Asset Manager in Deutschland mit einem verwalteten Vermögen von 23 Milliarden US-Dollar (20,4 Milliarden Euro Anm. d. Red.). Etwa 20 Milliarden vom gesamten Volumen sind Gelder von Privatkunden und der Rest von institutionellen Kunden. Unser Markteintritt in Deutschland erfolgte über den freien Vertrieb, und er ist für uns immer noch sehr wichtig. Zwischen 15 und 20 Prozent des Privatkundenvolumens wurden von freien Finanzvermittlern generiert. Mit Bedauern stellen wir aber fest, dass dieser Vertriebskanal an Bedeutung verliert.

Der Kunde versteht es nicht mehr

procontra: Woran liegt das?

Berben: Ein wichtiger Aspekt ist eine Regulierung, die Privatanleger nicht gerade dazu ermutigt, Investmentfonds zu kaufen. Das Ziel von Maßnahmen wie MiFID II oder PRIIPs ist eine detaillierte Risikoaufklärung, die an sich nicht falsch ist. Sie führt aber dazu, dass insbesondere das Aktieninvestment als stark risikobehaftet dargestellt wird. Der deutsche Privatkunde ist von seiner Natur her risikoscheu. Die Vorteile eines Aktieninvestments, darunter die Beteiligung am Produktivkapital sowie Inflationsschutz, müssen ihm schmackhaft gemacht werden. Aber das ist schwierig wenn der Berater eher damit befasst ist, administrative Auflagen zu erfüllen. Detaillierte Infos wie PRIIPs machen wie gesagt Sinn, aber der Kunde versteht sie nicht mehr. Und was er nicht versteht, macht er nicht.

procontra: Die Regierungskoalition will noch die freien Vermittler durch die BaFin beaufsichtigen lassen...

Berben: In der Tat. Und dabei verkauft der freie Vertrieb weit über 90 Prozent bereits regulierte Investmentprodukte. Vor diesem Hintergrund halten wir die bestehende Beaufsichtigung für den Fondsvertrieb nach §34f Gewerbeordnung für völlig ausreichend.

Fondsinvestment: Kein demokratischeres Vehikel

procontra: Zum Thema Vermögensaufbau: Gibt es auch kulturelle Gründe für die Abneigung gegen Aktien? Man denkt an die Forderung mancher Linkspolitiker, BMW zu verstaatlichen...

Berben: Diese Kapitalismusdebatte möchte ich nicht kommentieren. Deutsche Privatanleger sollten wissen, dass es kein demokratischeres Vehikel gibt als ein Fondsinvestment, wo ein Millionär genauso behandelt wird wie jemand mit einem 50-Euro Sparplan. Und ein Fonds bietet Renditechancen und eine breite Vermögensstreuung. Wenn Sie dagegen einen Blick in die Vermögensbildung des privaten Haushalts werfen, stellen Sie fest, dass mehr als 2,5 Billionen Euro auf Tagesgelder- bzw. Festgeldkonten liegen und die Inflation daran nagt.

Peter Gorynski: In Deutschland haben wir derzeit ein sehr ausgeprägtes Ungerechtigkeitsempfinden, welches aber im Allgemeinen mit Blick auf die gute wirtschaftliche Situation einer großen Mehrheit in Deutschland schwer nachvollziehbar ist. Anstatt darüber zu sprechen, große Immobilienbesitzer oder BMW verstaatlichen zu wollen, sollte sich jeder stärker mit dem privaten Vermögensaufbau beschäftigen. Aktien und Immobilien galten über Jahrzehnte hinweg stets als hervorragender Inflationsschutz und sind für den Vermögensaufbau unverzichtbar, auch wenn insbesondere Aktien kurzfristige Schwankungen aufweisen.

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