P&R-Pleite: Warum es kein Mammut-Verfahren gibt

Sachwerte von Michael Fiedler

Die Pleite des Container-Vermieters P&R gehört schon jetzt zu den größten Finanzskandalen in der Geschichte der Bundesrepublik. Nach der Anklage gegen den Gründer Heinz R. wurde Anfang des Jahres mit einem Mammut-Prozess gerechnet. Doch den wird es nun nicht mehr geben.

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"Zeugen erst nach Aufruf eintreten" - im Verfahren gegen Heinz R., den Gründer der insolventen P&R-Gesellschaften, wird dieses Schild nicht zum Einsatz kommen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Für den Prozess gegen den Gründer der insolventen P&R-Gesellschaften, Heinz R., sammelte die Staatsanwaltschaft München Akten in 41 Leitzordnern und bereitete eine 66-seitige Anklageschrift vor. Darin wurden 268 Anleger als Zeugen benannt; allein bei diesen ging es um 414 Verträge über 27.000 Container und einen Schaden von mindestens 17.987.000 Euro. Wohlgemerkt nur in diesem Verfahren – denn insgesamt wird der Schaden für die betroffenen Anleger auf bis zu 3 Milliarden Euro geschätzt.

Vor dem Landgericht München drohte dem Angeklagten, der sich seit September 2018 in Untersuchungshaft befand, ein langwieriger Prozess: Denn die am 30. Januar eingereichte Anklageschrift gegen ihn wurde am 18. Juni 2019 zur Hauptverhandlung zugelassen.

Doch einen solchen Mammutprozess gegen Heinz R. wird es nicht geben. Das Landgericht München I entschied mit Beschluss vom 11.07.2019, das Verfahren einzustellen. Der Angeklagte sei infolge einer schweren Erkrankung verhandlungsunfähig. Ein Gutachten des landgerichtsärztlichen Dienstes stellte fest, dass der 76-Jährige auch in Zukunft dauerhaft verhandlungsunfähig bleiben würde. Der Haftbefehl gegen Heinz R. wurde aufgehoben.
Mit der Einstellung ist das Verfahren vor dem Landgericht München I beendet. „Etwaige weitere Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München I werden von dieser Entscheidung nicht berührt“, teilte das Gericht mit.

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