Offenlegungspflicht für Ratings gefordert

Berater von Michael Fiedler

Vergleiche, Testberichte, Produktbewertungen und Ranglisten von Anbietern: Auch bei Versicherungen „funktionieren“ solche Formate. Ein Maklerpool fordert nun eine „Offenlegungspflicht“ für solche Ratings. Welche Forderungen erhoben werden und was (vielleicht) dahintersteckt.

Transparenz Vergleich Versicherung Rating Ranking

Beim Rating soll mit "offenen Karten gespielt" werden, fordert der Leipziger Maklerpool Invers. (Symbolbild) shutterstock.com

Ranglisten und Bewertungen von Produkten oder Kennzahlen gehören für Versicherungsvermittler zum Alltag. Hersteller von Vergleichssoftware nutzen diese Möglichkeit ebenso wie Institute, die u.a. auch Beratungsleistungen bei Produkteinführungen bieten. Auch der Streit zwischen HUK und Check24 um die Darstellung im Kfz-Vergleich zeigt, welche Bedeutung solche Vergleiche und Ratings haben.

Eine gute Bewertung von neutraler Seite kann über Wohl und Wehe eines Produkts entscheiden. Tatsächlich gibt es Kunden, die gezielt nach Testsiegern fragen (und damit mitunter erst recht Beratungsbedarf zeigen); Siegel und Auszeichnungen werden oft als Verkaufshilfen eingesetzt.

Wie reizbar die Branche auf das Thema reagiert, zeigt auch ein Statement des Maklerpools Invers auf Facebook. Dort schreibt der Pool, es dränge sich der Verdacht eines bezahlten Rankings auf, wenn in einem Vergleich von Unfallversicherungen Anbieter wie InterRisk oder Die Haftpflichtkasse fehlen.

Offenlegungspflicht für Ratings gefordert

Der Pool forderte deshalb eine gesetzliche Offenlegungspflicht für Ratings und beschrieb diese in drei Punkten:

  1. Es muss zu jeder bewerteten Firma gleich neben dem erreichten Rang angegeben werden, welcher Gesamt-Geldbetrag von dort in den letzten fünf Jahren unmittelbar oder mittelbar an den Rating-Betreiber geflossen ist - gleich welcher Art.
  2. Es müssen alle das Produkt anbietenden Firmen aufgezählt werden. Wenn einzelne Firmen nicht bewertet wurden, muss angegeben werden warum dies so ist.
  3. Fehlerbehaftete bzw. unvollständige Ratings dürfen nicht veröffentlicht werden. Geschieht dies doch, so sind in diesen Fällen Bußgelder zu verhängen, die der Höhe nach das mindestens zweifache des wirtschaftlichen Vorteils des Rating-Betreibers betragen.

Anlass für das Statement auf Facebook war eine Untersuchung von Servicevalue, die nach Ansicht des Leipziger Pools bestimmte Anbieter „verschwiegen“ hätte. Hier allerdings irren die Sachsen. Denn die Untersuchung von Servicevalue basiert auf Angaben von 2.414 Kunden, die bis zu zwei Versicherer bewerten durften, bei denen sie in den letzten 24 Monaten Kunde gewesen sind.

Viel Lärm um nichts?

Haben die Mitarbeiter des Pools, die den offiziellen Social Media-Account pflegen, nicht genau aufgepasst? Oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter? Der von Invers auf Facebook zitierte Artikel zum Unfallrating erschien auf Cash.online. Das Unternehmen präsentiert auch jährlich eine eigene Rangliste – die „Maklerpool-Hitliste“. Dort tauchen die Leipziger nicht auf, obwohl der Pool seine testierten Bilanzen regelmäßig im Bundesanzeiger veröffentlicht.
Nach Invers-Lesart würde es sich also bei der „Maklerpool-Hitliste“ um ein „unvollständiges Rating“ handeln – bei dem zumindest darüber aufgeklärt werden müsste, warum bestimmte Anbieter nicht aufgeführt werden oder nicht teilnehmen wollen.

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