Nebenkosten: So wird Wohneigentum bezahlbar

Sachwerte von Michael Fiedler

Trotz Niedrigzinsen bleibt die Eigentumsquote in Deutschland niedrig. Ein Grund sind die hohen Nebenkosten beim Immobilienerwerb. Welcher Kostenpunkt dabei der größte Preistreiber ist und was sich ändern würde, wenn er wegfiele.

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Hohe Nebenkosten halten viele Menschen davon ab, Wohneigentum zu erwerben. Bild: shutterstock.com

„Die eigenen vier Wände sind besonders für Familien ein wichtiger Baustein der privaten Altersvorsorge“, sagt Eva Grunwald, Leiterin Immobiliengeschäft Postbank. Tatsächlich zeigen Umfragen immer wieder, dass viele Menschen Wohneigentum für die Altersvorsorge bevorzugen.
Doch die Wohneigentumsquote in Deutschland zählt zu den niedrigsten in Europa. Ein Grund sind die hohen Nebenkosten beim Kauf einer Immobilie. Und die zwingen Käufer in vielen Fällen, höhere Darlehen aufzunehmen, so Grunwald. „Das schreckt viele ab. Zumal das Geld bei einem Wiederverkauf verloren ist“, fasst sie zusammen.

Grunderwerbssteuer als größter Preistreiber

Als größten Preistreiber bei den Nebenkosten hat die Postbank die Grunderwerbssteuer ausgemacht. Diese Steuer ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Die Einnahmen fließen in die Länderhaushalte und die Bundesländer legen die Höhe des Steuersatzes fest. Diese Praxis hat das IW Köln bereits 2016 kritisiert – geändert hat sich seitdem nichts.
Wie sich eine bundeseinheitliche Grunderwerbssteuer hat das Hamburger Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI) für den aktuellen Postbank Wohn-Atlas untersucht. In der Modellrechnung wurde von einem einheitlichen Grunderwerbssteuersatz in Höhe von zwei Prozent auf die Finanzierung von Wohneigentum ausgegangen.

Größte Ersparnis im Norden

Die Modellrechnung des HWWI für eine durchschnittliche 70-Quadratmeter-Wohnung zeigt, dass Käufer in 23 von insgesamt 401 deutschen Kreisen monatlich mindestens 40 Euro mehr im Portemonnaie hätten. In jedem vierten Kreis sind es immerhin noch mindestens 30 Euro. Von der Ersparnis profitieren Käufer Monat für Monat - für die gesamte Laufzeit der Finanzierung. Für die Modellrechnung wurde mit einem Zinssatz von 2,45 Prozent, einer Anfangstilgung von 4 Prozent und 20 Prozent Eigenkapital kalkuliert. Die größte Ersparnis ergibt sich demnach für den Landkreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein, wo 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer erhoben werden. Wohnungen in dieser Region sind vergleichsweise teuer, exklusive Feriendomizile auf Sylt treiben die Preise. In Nordfriesland würden für 70 Quadratmeter Wohnfläche bei einer Deckelung der Grunderwerbsteuer 17.603 Euro weniger fällig. Die monatliche Rate würde laut Modellrechnung statt 1.818,72 Euro nur noch 1.724,11 Euro betragen. Immobilienkäufer könnten so monatlich gut 94 Euro sparen.

Auch in den begehrten Großstädten wäre der Immobilienerwerb günstiger: In Frankfurt am Main müssten Käufer bei einer Deckelung der Grunderwerbsteuer monatlich 76 Euro weniger für den Kredit aufbringen, in Düsseldorf beträgt die monatliche Ersparnis knapp 64 Euro, in Berlin 63 Euro und in Köln 61 Euro. Auch in Stuttgart, Hamburg und München liegt die Ersparnis monatlich zwischen 42 und 47 Euro.

„Unsere Analyse zeigt, wie die Belastung beim Wohnungskauf gesenkt werden könnte“, sagt Grunwald. Deutlich mehr Menschen stünde dann der Weg ins Wohneigentum offen. Bleibt zu hoffen, dass diese Sichtweise sich auch bei den Entscheidungsträgern in den Landesregierungen durchsetzt.

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