Messerunfall bei Jugendfreizeit: Wo endet die Aufsichtspflicht?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Ein Mädchen hatte sich auf einer Jugendfreizeit im Wald mit einem Klappmesser am Auge verletzt und bleibenden Schaden davongetragen. Über die Grenzen ausreichender Belehrung und Aufsichtspflicht musste das OLG München entscheiden.

Beim Laufen zuklappen und vom Körper weg schnitzen: Reichen deise beiden Hinweise aus, um ein Kind ordnungsgemäß im Umgang mit einem Klappmesser zu belehren oder wurde die Aufsichtspflicht verletzt?

Beim Laufen zuklappen und vom Körper weg schnitzen: Reichen deise beiden Hinweise aus, um ein Kind ordnungsgemäß im Umgang mit einem Klappmesser zu belehren oder wurde die Aufsichtspflicht verletzt? Bild: Pixabay

In den Faschingsferien 2014 hatte eine städtische Jugendeinrichtung ein Freizeitprogramm veranstaltet. Durch Aktivitäten wie Feuer machen, Unterschlupf bauen und Spuren lesen sollten die Kinder das „Abenteuer Winterwald“ erleben, wie die Jugendfreizeit betitelt wurde. Leider verletzte sich dabei ein damals 9-jähriges Mädchen durch einen Unfall mit einem Klappmesser so schwer an ihrem rechten Auge, dass dieses trotz mehrerer folgender Operationen dauerhaft geschädigt blieb.

Zwar war eine finanzielle Entschädigung durch eine eigens für die Jugendfreizeit abgeschlossene Veranstaltungs-Unfallversicherung bereits erfolgt. Doch das Mädchen und seine Eltern klagten, zunächst vor dem Landgericht Ingolstadt, auch auf weiteren Schadensersatz sowie Schmerzensgeld. Sie sind der Auffassung, dass sowohl die Mutter als gesetzliche Vertreterin bei der Anmeldung zur Jugendfreizeit, als auch das Mädchen selbst bei der Veranstaltung nicht ausreichend über den Umgang mit einem Klappmesser aufgeklärt wurden.

Die beklagten Vertreter der Jugendeinrichtung erklärten, dass sie das Mädchen ausreichend in den Gebrauch des Messers eingewiesen hatten. Der Unfall sei nur durch einen anweisungswidrigen Umgang mit dem Messer erklärbar. Sämtliche Vorgaben und Mindeststandards seien eingehalten worden, der Betreuungsschlüssel sei mit einer Betreuungsperson auf 5,5 Kinder sogar besser gewesen als vorgeschrieben. Dieser Ansicht folgte zunächst das LG Ingolstadt und wies die Klage ab. Doch im Berufungsverfahren vor dem Münchener Oberlandesgericht (Az.: 21 U 2981/18) wendete sich das Blatt.

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