„Insgesamt müssten sich viel mehr von uns Schlipsträgern aufraffen“

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Gorden Isler ist Versicherungsmakler und rettet Menschen vor dem Ertrinken. Als Einsatzleiter hilft er ehrenamtlich auf dem Sea-Eye-Schiff „Alan Kurdi“. procontra sprach mit ihm über sein Engagement, Fluchtursachen und Versicherungsschutz für Seenotretter.

Hilft als Einsatzleiter ehrenamtlich auf dem Sea-Eye-Schiff "Alan Kurdi" bei der Seenotrettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer: Versicherungsmakler Gorden Isler.

Hilft als Einsatzleiter ehrenamtlich auf dem Sea-Eye-Schiff "Alan Kurdi" bei der Seenotrettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer: Versicherungsmakler Gorden Isler. Bild: sea-eye.org / Fabian Heinz

procontra: Herr Isler, wie kommt ein Versicherungsmakler auf das Seenotrettungsschiff „Alan Kurdi“?  

Gorden Isler: Seit November 2016 habe ich nun an fünf Missionen teilgenommen. Mein kaufmännisches Know-How stelle ich bereits seit vielen Jahren verschiedenen Hilfsorganisationen  zur Verfügung. Seit eineinhalb Jahren bin ich als Vorstand bei Sea-Eye in der Verantwortung und kümmere mich ums Fundraising. Als Versicherungsmakler kümmere ich mich um meine Kundinnen und Kunden. Bei Sea-Eye um die Spenderinnen und Spender.

procontra: Was machen Sie genau auf dem Schiff?  

Isler: Meine Rolle auf dieser Mission war es Einsatzleiter zu sein. Der Einsatzleiter unterstützt den Kapitän in allen Belangen, die über den gewöhnlichen Schiffsbetrieb hinausgehen. Meine Aufgabe war es, den Bordalltag zu organisieren, Suchmuster im Einsatzgebiet festzulegen, mit den Behörden zu kommunizieren, einen sicheren Hafen zu beschaffen und die Öffentlichkeitsarbeit mit unserem Medienteam an Land zu koordinieren. 

procontra: Warum ist Ihr Einsatz und der anderer Seenotretter wichtig?  

Isler: Nun, wir haben zwei Boote gefunden, nach denen niemand aktiv sucht, obgleich jedermann weiss, dass es in diesen Seegebieten regelmäßig zu Seenotfällen kommt. So fanden wir ein Schlauchboot mit 65 Menschen, die niemand hätte finden können. Sie irrten ohne Navigationshilfen oder GPS-Telefon auf dem Mittelmeer umher. Unter ihnen 39 Minderjährige. Sie wären einfach gestorben. Ich hab das oft auf meinen Missionen erlebt, dass wir Menschen fanden, die niemand sonst gefunden hätte. Weil inzwischen auch niemand mehr nach ihnen suchen mag.

procontra: Manche Menschen werfen Ihnen vor, mit Ihrem Einsatz die Arbeit der Schlepper zu unterstützen und durch Ihre Präsenz im Mittelmeer nur noch mehr Menschen in die Flucht und in den Tod zu treiben. Wie stehen Sie zu diesen Vorwürfen?  

Isler: Das ist wie mit dem Klimawandel. Die Wissenschaftler sagen, es gibt den Klimawandel und die Wissenschaftler sagen, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Migranten oder Flüchtlinge sich an der Anwesenheit der wenigen, zivilen Rettungsschiffe orientieren. In beiden Fällen verfangen sich eigentlich nur noch Politiker in Diskussionen über diese sogenannten Pull-Faktoren.  

Bewiesen ist allerdings, dass die Abwesenheit von Rettungsschiffen zu einem Anstieg der Mortalität führt. Eigentlich ganz logisch. Die Menschen werden von Europa angezogen und nicht von rostigen, älteren Rettungsschiffen, die wir gerade einmal gut sechs Mal im Jahr ins Einsatzgebiet entsenden können. Übrigens: 92 Prozent der Menschen, die in diesem Jahr in Italien angekommen sind, wurden nicht von NGOs (Anm. d. Red.: NGO = Nichtregierungsorganisationen, also private Seenotretter wie Sea-Eye) gerettet. Wer bitte trägt nun dafür die Schuld?    

 

Gorden Isler vom Hamburger Maklerbüro fairvendo ist Vorsitzender des privaten Regensburger Seenotrettungsvereins Sea-Eye e.V. Er und die restliche Crew der „Alan Kurdi“ sind aktuell auf dem Heimweg, nachdem sie allein im Juli 109 Menschen aus Seenot gerettet haben. In wenigen Wochen soll das Schiff schon wieder auslaufen. procontra möchte Sea-Eye bei dieser wichtigen Aufgabe durch das Sammeln von Spenden unterstützen. Dafür haben wir auf Facebook eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Beispielsweise ermöglichen 106 Euro der „Alan Kurdi“ eine Einsatzstunde auf See.

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