Geldanlage: Deutsche sparen falsch

Investmentfonds von Michael Fiedler

Deutsche verfügen über vergleichsweise hohe Einkommen und eine hohe Sparquote. Trotzdem gelingt der Vermögensaufbau nicht. Woran das liegt und was man dagegen tun kann.

Geldanlage Sparen Vermögensaufbau Einkommen

Trotz hoher Einkommen und Sparquote haben die Deutschen kaum Vermögen aufgebaut. Woran das liegt. Bild: shutterstock.com

Vergleicht man das Medianeinkommen der Deutschen mit dem anderer europäischer Nationen, zeigt sich, dass die Deutschen zu den „Spitzenverdienern“ in Europa zählen.
2016 betrug das Medianeinkommen in Deutschland 35.500 Euro. Das heißt, die eine Hälfte der Haushalte verdiente mehr, die andere weniger. Damit verdienen die Deutschen deutlich mehr als andere Europäer:

Medianeinkommen europäischer Nationen
Frankreich30.500 Euro
Italien25.000 Euro
Spanien24.000 Euro
Griechenland17.000 Euro

 

 

Kein nennenswertes Vermögen aufgebaut

Mit 17 Prozent liegt auch die Sparquote der Deutschen höher als bei den meisten anderen Europäern. Doch im Vergleich der Medianvermögen schneiden die Deutschen schlecht ab:

Medianvermögen im Vergleich
Deutschland60.800 Euro
Griechenland65.100 Euro
Frankreich113.300 Euro
Italien146.200 Euro
Spanien159.600 Euro

„Es stellt sich die Frage: Was haben die Deutschen mit ihrer hohen Sparquote angestellt, wenn sie im Vermögensaufbau so hinterherhinken? Die Antwort ist simpel: Sie haben falsch gespart“, fasst Patrick Vogel, einer der Fondsmanager des MainFirst Absolute Return Multi Asset, die Zahlen zusammen.

Deutschen fehlt Risikobereitschaft

Vogel erklärt das mit der fehlenden Risikobereitschaft der Deutschen. „Nach historischen Erfahrungen mit Kriegsenteignungen sparen sie bis heute lieber Geld auf dem Sparbuch an als in reale Vermögensgegenstände zu investieren und nehmen ungern Schulden für den Vermögensaufbau in Kauf“, erläutert der Fondsmanager. Fatal daran: Besonders Aktien und Immobilien erzielen über längere Zeiträume hohe Wertsteigerungen.
Denn Zahlen der Europäischen Zentralbank zeigen, dass die mittleren 50 Prozent der Hausbesitzer in Europa mit 104.500 bis 360.600 Euro deutlich mehr Vermögen aufgebaut haben als Mieter, bei denen das Medianvermögen nur 8.900 Euro beträgt.

„Wir brauchen eine Kehrtwende in der Anlegerkultur. Zielführend wären reale Vermögensgegenstände als wichtigste Bestandteile bei der Geldanlage“, befindet der Investmentexperte. Sein Rat: Gerade in Zeiten von Eurokrise und stagnierendem Wachstum könnten Anleger mit globalen Aktien wachstumsstarker Firmen von strukturellen und langfristigen Trends profitieren. „Vielversprechende Wachstumstitel sind etwa in Nordamerika und Asien zu finden, teils auch in Europa und Deutschland“, erläutert Fondsmanager Vogel. Zusätzlich sollten sich Sparer mit Immobilien für das Alter absichern, denn ein Eigenheim oder stabile Mieterträge können helfen, das Vermögen auch in Krisenzeiten zu wahren und zu mehren. „In Zeiten der Stagnation können zudem Anleihen mit einer Verzinsung über der Inflationsrate das Portfolio ergänzen. Dies ist zumeist nicht bei europäischen Staatstiteln zu finden, sondern bei Unternehmensanleihen in Schwellenländern oder wachsenden Volkswirtschaften wie den USA oder Asien“, so Vogel weiter.

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