Früher in Rente: Für wen das lohnt

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Wann freiwillige Nachzahlung von Beiträgen lohnt

Zu den 45 Jahren zählen auch andere rentenrechtliche Zeiten als nur die Pflichtbeiträge, etwa Kindererziehungszeiten, Kranken- und Verletztengeld oder freiwillige Beiträge. Letztere kann man einzahlen, wenn mindestens 18 Jahre Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt worden sind. Ausnahme: In den letzten beiden Jahren vor Rentenbeginn dürfen keine Anrechnungszeiten wegen Arbeitslosigkeit vorliegen, man darf also nicht arbeitslos geworden sein.

Laut Stiftung Warentest kann mit aktuell 134 Euro Monatsrente rechnen, wer ich seit 2017 fünf Jahre lang 6.000 Euro jährlich freiwillig einzahlt. Wenn die Renten entsprechend der Prognosen der Bundesregierung steigen, könnten es in fünf Jahren etwa 141 Euro sein. Das hält Finanztest für attraktiver als attraktiver als private Rentenversicherungen, die unter den Niedrigzinsen leiden. Bei der gesetzlichen Rente würden die Beiträge nicht gespart, sondern gleich an die Rentner „weitergereicht“. Dieses Umlageverfahren ist nicht vom Kapitalmarkt abhängig; derzeit ein Vorteil, so Finanztest. Freiwillige Beiträge lohnten sich für alle, die älter als 50 Jahre sind.

Abzüge bei verfrühtem Rentenbeginn mit 35 Arbeitsjahren

Zurück zu den Chancen auf Frührente mit weniger Arbeitsjahren: Schon mit 35 Versicherungsjahren kann man mit 63 in Rente gehen, muss dann allerdings mit deutlichen Abschlägen rechnen. Bei der Beispielrechnung anhand einer fiktiven Musterfrau (Jahrgang 1959) sind das immerhin 11,4 Prozent lebenslang (ab Jahrgang 1964 wären es sogar 14,4 Prozent).

Zugleich sinkt die Rente, weil die Beitragszahlungen ja früher als mit 65 enden. Jeden Monat macht das in dem Beispiel 194 Euro weniger – und das bis zum Tod. Erreicht die Musterperson ein Alter von 83 Jahren, sind das insgesamt fast 50.000 Euro weniger Rente. Rechnet man die Abschläge hoch, werden die drei Jahre, die jemand früher in Rente geht, tatsächlich sehr teuer.

Mit einer Sonderzahlung von knapp 41.000 Euro kann die Musterfrau diesen Nachteil ausgleichen. Die Ausgleichszahlungen sollten aus Steuergründen auf mehrere Jahre gestreckt und schon in den Jahren vorgenommen werden, in denen noch eine hohe Steuerlast vorliegt, rät Finanztest.

Steuern und fehlender Überblick

Die Zeiten, in denen die Rente zu hundert Prozent ausgezahlt wurde, sind lange vorbei. Heute fallen zunehmend Steuern und für KVdR-Rentner stets Kranken- und Pflegekassenbeiträge an. Im Jahr 2015 mussten 27 Prozent der Rentner Einkommensteuer ans Finanzamt abführen. Von den ausgezahlten 278 Milliarden Euro fielen 16 Prozent unter die Steuerpflicht (procontra berichtete). Je höher die Altersbezüge, desto kräftiger die Abzüge.

Um rechtzeitig und ausreichend für das Alter vorzusorgen, benötigen Berufstätige einen Überblick über Leistungen und gegebenenfalls auch Versorgungslücken. Dazu könnte eine säulenübergreifende Vorsorgeinformation beitragen, die aber wohl nicht vor 2021 kommt, und dann vermutlich nur in einem ersten Teilschritt (procontra berichtete).

Die DRV Bund hatte bereits im Sommer 2018 vorgeschlagen, im ersten Schritt ein „Register“ für Betriebsrentenanwartschaften durch Arbeitgebermeldung aufzubauen. Die DRV würde diese Informationen im Versichertenkonto speichern und so auch in der jährlichen Renteninformation ausweisen (procontra berichtete).

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