Online-Vergleichsportale brauchen mehr Kontrolle

Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Im Finanz- und Krankenkassenbereich zeigt die Regulierung Wirkung. Diesen Schluss lässt der Bericht des Kartellamts zu. Warum Online-Vergleichsportale dennoch stärkere Aufmerksamkeit der Kartellwächter benötigen.

Das Bundeskartellamt (Foto) musste in den beiden Vorjahren viele Firmenzusammenschlüsse prüfen und deckte zahlreiche Kartellabsprachen auf. Bild: Bundeskartellamt

Das Kartellamt in Bonn hat alle Hände voll zu tun. Erst dieser Tage wurde das Vorhaben von Remondis untersagt, sämtliche Anteile am dualen System DSD – Duales System Holding zu erwerben, um den Wettbewerb in der Entsorgungsbranche nicht weiter einzuschränken. Die Aktivitäten der Kartellwächter waren auch in den beiden Jahren zuvor immens.

So wurden 2017 und 2018 insgesamt 2.686 Firmenzusammenschlüsse angemeldet. Das waren etwa zehn Prozent mehr als in den beiden Jahren zuvor, wie aus dem 178-Seiten-Bericht des Bundeskartellamtes hervorgeht (19/10900). Nur 16 Anmeldungen wurden in einem sogenannten Hauptprüfverfahren näher untersucht.

Nur eine Fusion davon wurde untersagt – der Zusammenschluss des Ticketverkäufers CTS Eventim mit dem Pop-Tourneeveranstalter Four Artists. Nach Ansicht des Kartellamts würde die Integration eines bedeutenden Veranstalters die bereits bestehende marktbeherrschende Stellung CTS Eventim bei Ticketsystemdienstleistungen (50 bis 60 Prozent) noch verstärken.

Viele Kartellabsprachen, aber nicht bei Finanzen

Außerdem verhängte das Kartellamt nach Aufdeckung zahlreicher Kartellabsprachen Bußgelder gegen Personen und Unternehmen. So wurden 2018 etwa 459 Millionen Euro an Bußgeldern vereinnahmt - knapp viermal so viel wie 2017 (127 Millionen Euro). Dabei fiel keine einzige Firma aus dem Finanzbereich negativ auf. Die seit zehn Jahren anhaltende Regulierung scheint sich auch im Kartellbereich positiv niederzuschlagen.

Interessant: In den letzten beiden Jahren nahm die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen weiter ab. Es gibt nunmehr 110 Krankenkassen, in denen rund 88 Prozent der Einwohner Deutschlands gesetzlich krankenversichert sind. Das Bundeskartellamt hat drei Zusammenschlüsse von Krankenkassen geprüft – ohne wettbewerbliche Bedenken.

Im Markt für Zahlungsverkehrsdienstleistungen vollzieht sich durch neue Technologien und verändertes Zahlungsverhalten derzeit ein Wandel, der eine europaweite Konsolidierungswelle mit sich bringt. Neue Akteure treten in den Markt ein, gleichzeitig ziehen sich die deutschen Banken und Sparkassen zunehmend aus dem Zahlungsverkehr zurück oder suchen sich Partner. In diesen Kontext fielen mehrere Zusammenschlüsse, die allesamt nicht beanstandet wurden. Beispiele: BS Card/Payone, DZ Bank/CardProcess, Fiducia & GAD IT /Servodata /German Card Switch und Ingenico Group S.A./BS Payone.

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Mehr Kontrolle von Vergleichsportalen nötig

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