Fahrradunfall auf Waldweg: Haftet die Gemeinde?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Ein Mann war mit seinem Mountainbike auf einem abschüssigen Waldweg schwer gegen eine Hangsicherung geprallt. Ob ihm die für die Sicherung zuständige Gemeinde Schmerzensgeld zahlen muss, entschied das OLG Köln.

Mit dem Mountainbike abschüssige Waldwege hinunterheizen kann schöne Adrenalinkicks bescheren. Es kann aber auch zu Stürzen mit schweren Verletzungen führen. Muss dann die Gemeinde als Eigentümerin des Waldes für Schadenersatz und Schmerzensgeld aufkommen

Mit dem Mountainbike abschüssige Waldwege hinunterheizen kann schöne Adrenalinkicks bescheren. Es kann aber auch zu Stürzen mit schweren Verletzungen führen. Muss dann die Gemeinde als Eigentümerin des Waldes für Schadenersatz und Schmerzensgeld aufkommen? Bild: Pixabay

Während viele Menschen Waldwege für Spaziergänge nutzen, sind andere dort sportlich und wagemutig unterwegs. So tat es auch ein Mann, der in einem Waldstück in der Eifel mit seinem Mountainbike entlangfuhr. Dabei kam er auf einem abschüssigen Wegstück zu Fall und hatte sich bei dem Sturz schwer verletzt.

Vor dem Aachener Landgericht hatte er deshalb die Kommune auf Schmerzensgeld verklagt, die Eigentümerin an dem Waldstück ist. Nachdem seine Klage dort abgewiesen wurde, versuchte er es vor dem Oberlandesgericht Köln mit seiner Argumentation. Er erklärte, dass die von der Kommune angebrachte, quer über den Weg verlaufende Hangsicherung durch Holzstämme wie eine "Sprungschanze" gewirkt hätten. Diese waren als etwa 40 bis 50 Zentimeter hohe Stufe aufgeschichtet und hätten seinen Sturz und dessen Folgen deutlich verschlimmert. Außerdem waren sie aus Fahrtrichtung des Mannes nicht zu erkennen gewesen. Die Schuld der Gemeinde sah der Kläger auch dadurch bewiesen, dass sie die Hangsicherung nach seinem Unfall hatte ändern lassen.

Typische Gefahren im Wald

Das sahen die OLG-Richter anders und erklärten: „Es sei nicht ungewöhnlich und Waldbesucher müssten damit rechnen, dass Waldwege durch Baumstämme abgefangen und sich daraus auch größere Stufen ergeben könnten. Wer im Wald mit dem Fahrrad unterwegs sei, habe sich auf solche plötzlich auftretenden Hindernisse einzustellen und müsse jederzeit in der Lage sein, sein Fahrrad in der übersehbaren Strecke anzuhalten.“

So hätte sich der Mann auf die möglichen Gefahren einstellen und in der Lage sein müssen, rechtzeitig abzusteigen. Dass die Kommune nach dem Unfall die Hangsicherung geändert hatte, um weiteren Unfällen vorzubeugen, sei aus Sicht der Richter kein Beleg für bislang vernachlässigte Verkehrssicherungspflichten. In seinem Hinweisbeschluss (Az.: 1 U 12/19) machte das OLG den Mann auf die geringen Erfolgsaussichten eines Berufungsverfahrens aufmerksam. Daraufhin zog dieser seine Klage zurück und das Verfahren wurde rechtskräftig beendet.

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