DRV-Bund: Neue Rentenmodelle so nicht umsetzbar

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Deutschlandrente

Ein anderes diskutiertes Modell ist die vom Land Hessen vorgeschlagene staatlich kontrollierte kapitalgedeckte Altersvorsorge („Deutschlandrente“). Dieses Vorhaben ist im letzten Jahr vom Bundesrat in deren Ausschlüsse verwiesen worden. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hatte Bedenken angemeldet (procontra berichtete).

Für Thiede sind beim Modell der „Deutschland-Rente“ noch viele Fragen offen. So gebe es keine Angaben zur Kalkulation der Leistungsphase. Fraglich sei auch, wer für die Kosten des Aufbaus einer öffentlichen Trägerschaft aufkommen solle. Von Nachteil sei auch, dass es keine Leistungen bei Erwerbsminderung geben soll. Unklar sei auch, wer das Risiko bezüglich der Garantien tragen soll.

Extrarente

Kritisch bewertete Thiede die "Extrarente", die vom Verbraucherzentrale-Bundesverband ins Spiel gebracht worden war. Dabei der kassiert der Arbeitgeber die Beiträge durch direkten Lohnabzug ein (mit Opt-out für den Arbeitnehmer). Die Kapitalanlage setzt in der Basisvariante bis zu einem Alter von 49 Jahren voll auf Aktien, ehe dann in Anleihen umgeschichtet wird. Auch hier soll ein staatlicher Träger die Organisation übernehmen. In der Leistungsphase ist ohne Garantien ein Entnahmeplan bis zum Alter 100 vorgesehen. Alternativ kann eine lebenslange Rente gezahlt werden (procontra berichtete).

Thiede vermisst bei der "Extrarente" eine Absicherung des Erwerbsminderungs-Risikos. Davon sei etwa jeder Fünfte betroffen. Offen sei auch hier, wer die Kosten zum Aufbau der Verwaltung übernehmen soll. Auch sei die Kalkulationsgrundlage nicht bekannt, so dass „die Höhe der in Modellrechnungen ausgewiesenen Leistungen nicht nachvollziehbar ist“, sagte der Rentenexperte (procontra berichtete).

Ohne kapitalgedeckte Vorsorge geht es nicht

Insgesamt plädiert Thiede weiterhin für eine Vorsorge, die nicht nur auf Umlage, sondern auch auf Kapitaldeckung setzt. „Ein System ohne Kapitalmarktelement ist höchst riskant“, so Thiede wörtlich. Man dürfe nicht alles auf ein Pferd setzen. Denn wenn sich die Arbeitsmarktsituation verschlechtert und die Kapitalmarktsituation sich wieder verbessert, könnten kapitalgedeckte Lösungen erneut vorteilhaft sein.

Für die private Versicherungsbranche könnte die Analyse Antrieb sein, die Entwicklung eines attraktiven Standardproduktes voranzutreiben. Die Riester-Rente hat deutlich an Attraktivität eingebüßt, obwohl sie besser als andere Vorsorgeformen ist (procontra berichtete). Zum geplanten Standard-Riester (procontra berichtete) sagte Thiede laut Redemanuskript nichts. Er verwies lediglich darauf, dass alle vorliegenden Konzepte für „Standardprodukte in öffentlicher Trägerschaft“ noch viele Fragen offenlassen.

Dies gelte auch für die säulenübergreifende Vorsorgeinformation, die laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung für die Legislaturperiode bis 2021 angepeilt wird (procontra berichtete). Die DRV-Bund schlägt dazu als ersten Schritt den Aufbau eines „Registers“ für Betriebsrentenanwartschaften durch Arbeitgebermeldung vor.

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