DRV-Bund: Neue Rentenmodelle so nicht umsetzbar

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Ob Vorsorgekonto, Deutschland- oder Extra-Rente: Die neuen Ideen, kapitalgedeckte Altersvorsorge auf neue Füße zu stellen, tragen nicht, so das Fazit einer Analyse der Deutschen Rentenversicherung Bund. Zur Riester-Rente äußerte man sich nicht.

Die Deutsche Rentenversicherung analysierte aktuell diskutierte Zusatzrentenmodelle, fand aber noch kein tolles Produkt, so Reinhold Thiede von der DRV-Bund. Bild: Pohl

„Wir suchen nach einem tollen Produkt, haben es aber bisher nicht gefunden", sagte Reinhold Thiede, Leiter des Geschäftsbereichs Forschung und Entwicklung der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV-Bund), kürzlich auf einer Fachtagung in Berlin. Demnach ließen die Vorschläge viele Fragen offen und seien insgesamt unbefriedigend.

Die derzeit diskutierten Modelle einer „Deutschlandrente“, der „Extrarente“ oder das Modell des „Vorsorgekontos“ zeigten umso mehr Schwächen, je detailgenauer sie vorgestellt würden. Ziel sollte sein, die gesetzliche Rente so zu ergänzen, dass insgesamt eine lebensstandard-sichernde Altersversorgung erreicht wird.

Thiede räumte ein, dass zumindest im Augenblick Produkte in der kapitalgedeckten Altersvorsorge in der zweiten und dritten Säule nicht so gute Ergebnisse realisieren, wie dies mit den Rentenreformen von 2001 bis 2005 erwartet worden sei. Die Kernfragen der Ausgestaltung einer kapitalgedeckten Alterssicherung beträfen die Gestaltung der Ansparphase und der Leistungsphase.

Vorsorgekonto

Am detailliertesten ist laut Thiede das Modell des „Vorsorgekontos“ als freiwillige Beitragszahlung für alle gesetzlichen Rentenversicherten. Es soll organisatorisch unter dem Dach der Rentenversicherung als eigenständiger Träger angesiedelt werden. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte die Idee im Januar vorgestellt. Mitarbeiter der Rentenversicherung Baden-Württemberg hätten es mit entwickelt. Eine Modellrechnung zeige aber, dass das eingezahlte Kapital beim Vorsorgekonto nur bis zum 83. oder 85. Lebensjahr reicht. „Es ist unklar, wer das Risiko trägt, wenn der Kunde in dieses Alter kommt", so Thiede.

Positiv wertete Thiede, dass fünf Prozent des Sparbeitrags zur Risikoabsicherung der Erwerbsminderung eingesetzt werden sollen. Allerdings würde das Einzahlungsvolumen über mindestens fünf Jahre nicht ausreichen, um im Fall der Erwerbsminderung den Rentenabschlag auszugleichen. Auch hier seien die Kalkulationsgrundlagen nicht nachvollziehbar.

Für „absolut heikel“ hält Thiede das Vorhaben, auf dem „Vorsorgekonto“ angespartes Kapital in Entgeltpunkte der Rentenversicherung umzuwandeln und zu dynamisieren. Problematisch sei auch, wie der Risikoausgleich im Kollektiv funktionieren soll. Er ist in der Regel nur möglich, wenn das Kapital von Menschen, die früher sterben, an das Kollektiv fällt. Beim Vorsorgekonto sei aber eine Vererbung vorgesehen.

Zudem soll in der Ansparphase ein kollektiver Risikopuffer aus den Beiträgen der Startgeneration finanziert werden. „Für sie wird das Vorsorgekonto erheblich unrentabler als eine alternative private Anlage“, so Thiede. Es gäbe auch keine Regelung zur nominalen Kapitalerhaltgarantie zum Rentenbeginn. Beim Modell zeige sich zudem ein Widerspruch: Gewollt sei eine nominale Kapitalerhaltgarantie, aber keine feste Zinsgarantie.

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