BU-Serie (I): Warum es eine gute Teilzeitklausel braucht

Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Warum Hinweis auf Klausel in Neugeschäft und Bestand zählt

Für den Vermittler bedeutet es, sich mit dem Inhalt der Klausel zu befassen und in der Beratung zumindest darauf hinzuweisen. „Wer aus Bequemlichkeit oder wegen alter Verbindungen andere Tarife ohne Berücksichtigung der Teilzeitklausel vermittelt, könnte in eine Haftungsfalle tappen, wenn davon auszugehen ist, dass auch bei einem Versicherer mit Teilzeitklausel der Vertrag angenommen worden wäre“, sagt Heidekamp.

Gleiches gilt aber auch in der Betreuung von Bestandsverträgen. Je nach Zielgruppe, zu der auch Schüler, Studenten, Berufsanfänger, Selbstständige, Hausfrauen, Angestellte und sogar Beamte zählen, sollte Wert auf den Hinweis bestehender Deckungslücken in Policen ohne Teilzeitklausel gelegt und dies dokumentiert werden. „Man weiß nie, wie sich die berufliche Laufbahn der Kunden ändert“, sagt Heidekamp mit Verweis auf steigende Teilzeitquoten. Es gibt viele Ursachen für kürzere Arbeitszeiten, etwa Kindererziehung, Pflege eines Angehörigen, der Wunsch nach mehr Freizeit oder fehlende Vollzeitstellen.

Aktuell hat die AachenMünchener einen BU-Leistungsfall laut dem Magazin "WISO" nicht anerkannt, obwohl der Kunde zu 100 Prozent erwerbsunfähig ist und in Vollzeit tätig war. „Das zeigt, wie schwer es bei ungenügenden Definitionen in den Bedingungen ist, BU-Leistung zu bekommen“, warnt Heidekamp. Dem Kunden hätte es geholfen, wenn der BU-Versicherer in seinen Bedingungen auch den Bescheid über eine volle unbefristete Erwerbsunfähigkeit anerkannt hätte, was laut Heidekamp erst in neueren Tarifen zu finden ist.

Condor bekennt sich zur Teilzeitklausel

Condor setzt nach Einschätzung des BU-Sachverständigen einen neuen Meilenstein in den BU-Bedingungen. Dies sei der Württembergischen mit Einführung ihrer Teilzeitklausel einen Monat vor der Condor nicht in dem Maße gelungen, so Heidekamp. Bei der Württembergischen gilt der Maßstab für volle BU-Leistung bei reduzierter Arbeitszeit nur für 12 Monate und ausdrücklich nur bei Teilzeit. Nicht jede Reduzierung der Arbeitszeit gilt aber als Teilzeit unter 32 Wochenstunden (gemäß Paragraf 2 Teilzeit- und Befristungsgesetz). „Sinnvoller wäre da sicherlich die unbegrenzte Anwendung wie bei der Condor“, findet Heidekamp.

Generell wäre vielleicht auch der Begriff „Arbeitszeitklausel“ besser , um sich von der gesetzlichen Teilzeit-Definition abzugrenzen. Bei der Condor handelt sich um eine reine Arbeitszeitbetrachtung „und nicht um die eventuell damit verbundene wirtschaftliche und soziale Lebensstellung“, so Heidekamp. Es geht darum, ob durch Unfall, Krankheit oder Kräfteverfall der Versicherte nicht mehr als 50 Prozent in seiner höchstens jemals erreichten Arbeitszeit tätig sein kann.

Fazit für Heidekamp: Nachdem Condor bereits 1999 als erster Anbieter am Markt BU-Leistung bei mehr als sechs Monaten andauernder Arbeitsunfähigkeit (AU-Klausel) zugesagt hatte und damit einen Meilenstein bei den BU-Bedingungen setzte (procontra berichtete), bringt die Teilzeitklausel nun für den wachsenden Markt der Teilzeitbeschäftigten den Ausweg aus der größten BU-Falle und damit eine faire und gerechte BU-Leistungsprüfung. „Ich rechne damit, dass die Klausel in Ratings bald als Kriterium aufgenommen und damit auch von anderen Gesellschaften vereinbart wird, denn sie bietet echten Mehrwert“, sagt der Analyst.

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