BU-Serie (I): Warum es eine gute Teilzeitklausel braucht

Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die Qualität einer BU-Versicherung zeigt sich erst im Leistungsfall. Daher sind die Bedingungen so wichtig. Hinweise für Makler gibt der BU-Sachverständige Bert Heidekamp in einer Serie. Heute: die Teilzeitklausel.

Bisher hatte die Branche für Teilzeitkräfte keine faire Lösung im BU-Fall. „Sie gehen meist leer aus“, weiß BU-Makler und Sachverständiger Bert Heidekamp. Das Problem habe Condor jetzt im Neugeschäft gelöst. Bild: Pohl

Kürzlich hat die Condor Lebensversicherung mit einem Novum in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) aufgewartet, der Teilzeitklausel. Dies erleichtert auch Teilzeitbeschäftigten, im BU-Fall volle Leistung zu bekommen (procontra berichtete). Makler Guido Lehberg zählt das Produkt zur absoluten Spitze im Markt (procontra berichtete).

„Die neue Klausel erhöht nicht nur die Sicherheit, die vertraglich zugesagte BU-Leistung zu bekommen, sondern bietet Vermittlern auch neue Beratungsansätze“, sagt Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst sowie erster vom Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter (BDSF) geprüfter und zertifizierter Sachverständiger (DIN EN ISO/IEC 17024) für Berufsunfähigkeits-, Unfall- und Pflegeversicherungen. Er ist auch Inhaber der Online-Plattform fairtest.de, die Versicherungsbedingungen analysiert und bewertet.

Zum Hintergrund: Heidekamp hat über diese Plattform maßgeblich an der neuen Condor-Teilzeitklausel mitgewirkt. „Die neue Klausel ist im Rahmen einer Produktberatung von fairtest.de in Berlin entstanden“, bestätigt Christian Dulitz, Produktmanager der Condor Lebensversicherung. Fairtest.de bewerte BU-Bedingungen in einem wirklich sehr tiefgehenden Detaillierungsgrad. „Hier stößt man auf Dinge, die man sonst vielleicht nicht sofort sieht – in diesem Falle die größte Krankheit der BU: die Teilzeitfalle“, so Dulitz weiter.

Evolution für BU-Leistungsprüfung

Die Teilzeitklausel weitet den Versicherungsschutz im Kern aus. „Es geht also nicht nur um ein neues Tarif-Feature , sondern um höhere Rechtssicherheit in der BU-Definition und Leistungsprüfung“, betont Heidekamp. Grund: Reduziert der Kunde seine Arbeitszeit, bleibt für die BU-Beurteilung trotzdem die höchste vertraglich oder gesetzlich fixierte Arbeitszeit maßgebend.

Bei anderen Anbietern müsste er als Teilzeitbeschäftigter einen viel höheren BU-Grad nachweisen (etwa 80 Prozent statt 50 Prozent bei Vollzeitarbeit). Mit anderen Worten: Man müsste zum Teil noch kranker sein (weniger als zwei Stunden pro Tag arbeitsfähig) als für eine private Erwerbsunfähigkeitsrente (weniger als drei Stunden pro Tag arbeitsfähig).

„Das ist am Markt bisher einmalig und sehr gut“, betont Professor Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Universität zu Berlin. Der Experte für Privatversicherungsrecht hat sich über viele Jahre intensiv mit Transparenz und Ratings von Versicherungsprodukten beschäftigt. „Es reicht einmalig ein Monat einer Vollzeitbeschäftigung aus, um unbefristet den BU-Schutz einer Vollzeittätigkeit auch bei späterer Teilzeitarbeit zu bekommen“, ergänzt BU-Sachverständiger Heidekamp.

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