Warum sich eine Zahnzusatzversicherung lohnt

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Im Ausland sind Zahnbehandlungen teilweise günstiger als hierzulande. Aber werden diese auch automatisch von GKV und PKV übernommen? Im Fall einer deutschen Patientin in Polen musste das Landessozialgericht Celle-Bremen entscheiden.

Ein strahlendes Lächeln und gesunde Zähne hätte sicher jeder gerne. Worauf man bei günstigen Angeboten für Zahnbehandlung im Ausland achten sollte, zeigt dieses Urteil.

Ein strahlendes Lächeln und gesunde Zähne hätte sicher jeder gerne. Worauf man bei günstigen Angeboten für Zahnbehandlung im Ausland achten sollte, zeigt dieses Urteil. Bild: Pixabay

Hätte sie über eine private Zahnzusatzversicherung verfügt, wäre eine heute 38-jährige Frau wohl erst gar nicht in diese ärgerliche Situation geraten. Vor ein paar Jahren hatte sie große Brücken sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer benötigt. Ihr Zahnarzt in Deutschland hatte einen Heil- und Kostenplan in Höhe von rund 5.000 Euro erstellt. Ihr gesetzlicher Krankenversicherer (GKV) hatte daraufhin den Festzuschuss in Höhe von 3.600 Euro bewilligt. Die Differenz hätte die Frau als Eigenanteil tragen müssen.

Das wollte sie nicht, sondern erkundigte sich nach einer günstigeren Behandlung im Ausland. Letztlich ließ sie diese in Polen durchführen, für insgesamt 3.300 Euro. Doch nachdem sie die Rechnung bei ihrer Krankenkasse eingereicht hatte, erstattete diese nur die Kosten für die Brücke im Oberkiefer. Die Erstattung für die Brücke im Unterkiefer lehnte die Kasse ab, da diese laut einem Gutachten des Medizinischen Dienstes (MDK) nicht den in Deutschland geltenden Qualitäts- und Konstruktionskriterien entsprach.

Dagegen klagte die Frau. Nachdem sie mit ihrer Forderung bereits vor dem Braunschweiger Sozialgericht gescheitert war (Az.: S 31 KR 124/14), wies im Mai dieses Jahres auch das Landessozialgericht Celle-Bremen ihre Klage ab (Az.: L 4 KR 169/17).

Ausländischer Heil- und Kostenplan benötigt

Für die Richter spielte es dabei gar keine Rolle, dass die Brücke im Unterkiefer nicht den in Deutschland geltenden Qualitäts- und Konstruktionskriterien entsprach. Entscheidend sei hingegen, dass die Frau die Zahnbehandlung in Polen nicht zuvor mit ihrer Krankenkasse abgestimmt hatte und durch diese genehmigen ließ. Dazu hätte sie einen Heil- und Kostenplan der polnischen Praxis vorlegen müssen. Der in Deutschland ausgestellte Heil- und Kostenplan würde diesen nämlich nicht ersetzen.

Nach Aussage des Gerichts gelte das Verfahren zur Prüfung des Heil- und Kostenplanes unterschiedslos im Inland wie im Ausland. Die Krankenkasse müsse vor einer Auslandsbehandlung die Möglichkeit haben, den vorgesehenen Zahnersatz auf Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit zu überprüfen und gegebenenfalls auch begutachten zu lassen. Wenn diese Möglichkeit nicht bestehe, führe dies zu einem Anspruchsausschluss zu Lasten des Patienten.

Allerdings ersetzt auch eine private Zahnzusatzversicherung nicht automatisch jede Behandlung im Ausland. Es gelten hier verschiedene Bestimmungen und Fristen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte die Behandlung auch hier vorher mit dem Versicherer abgestimmt werden. Im Normalfall bezuschusst die Zahnzusatz-Police den deutschen Heil- und Kostenplan aber so stark, dass eine günstigere Behandlung im Ausland gar nicht erst nötig wird.

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