Verbraucherschützer drücken bei Extrarente aufs Gas

Berater von Florian Burghardt

Provisionsbasierte Beratung und die gängigen Altersvorsorgeprodukte sind Verbraucherschützern zuwider. Ihre „Extrarente“ soll Abhilfe schaffen. Zu dem Modell wurde heute ein zweites Rechtsgutachten vorgestellt. Es bleiben aber offene Fragen.

Keine Vertriebs- und deutlich geringere Verwaltungskosten soll die "Extrarente" laut Dorothea Mohn (vzbv) bieten. Ein neues Rechtsgutachten gibt dem Modell Auftrieb.

Keine Vertriebs- und deutlich geringere Verwaltungskosten soll die "Extrarente" laut Dorothea Mohn (vzbv) bieten. Ein neues Rechtsgutachten gibt dem Modell Auftrieb. Bild: vzbv

Der Verbraucherschutz wird nicht müde, die provisionsbasierte Altersvorsorgeberatung zu kritisieren. Häufig ist dabei von schlechter Beratung die Rede, aber auch von hohen Abschluss- und Verwaltungskosten zu Lasten der Verbraucher.

Kürzlich hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) seiner dauerhaften Kritik an der Finanzbranche in gewisser Weise Taten folgen lassen und ein eigenes Modell zur Verbesserung der privaten Altersvorsorgesituation hierzulande vorgestellt: Die „Extrarente“. Diese soll durch einen öffentlichen Träger organisiert werden. Laut Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt beim vzbv, sollen dadurch die Verwaltungskosten für die Bürgerinnen und Bürger im Vergleich zu Produkten von Versicherungsunternehmen und Banken massiv sinken. Kosten für den Vertrieb sollen sogar komplett entfallen.

„Sanfter Zwang“ ist europarechtlich in Ordnung

Kern des Konzepts ist ein Opt-out-Modell, wonach Arbeitgeber ihre Angestellten automatisch für die Extrarente anmelden würden. Da man beim vzbv hinsichtlich dieses „sanften Zwangs“ offenbar Gegenwind aus verschiedenen Kreisen erwartet, wurde heute ein weiteres rechtswissenschaftliches Gutachten vorgestellt, um dem Vorschlag „Extrarente“ Auftrieb zu geben.

Der Autor, Prof. Dr. Jürgen Kühling von der Universität Regensburg, kommt darin zu dem Schluss, dass die „Extrarente“ – würde sie denn eingeführt werden – dem europäischen Wettbewerbsrecht entsprechen würde. Kartellrechtliche Probleme seien nicht zu erwarten. Der Jurist begründet dies unter anderem durch einen Vergleich mit dem britischen Modell. Dort wurde im Jahr 2012 über den öffentlichen Träger National Employment Savings Trust (NEST) ein vergleichbares Modell eingeführt, dass den Verbraucher (per Opt-out) über seinen Arbeitgeber automatisch an der betrieblichen Altersversorgung teilnehmen lässt. Wie das Gutachten (hier als PDF) herausstellt, hatte die Europäische Kommission dieses Vorgehen damals als unproblematisch angesehen.

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