Überflüssig: Verbraucherschützer urteilen über Reiseversicherungen

Berater von Florian Burghardt

Welche Reise-Policen überflüssig sind, dazu hat man bei der Verbraucherzentrale Hamburg eine klare Meinung. Die individuelle Risikobereitschaft eines jeden Verbrauchers findet dabei eher wenig Gehör.

Bei der Verbraucherzentrale Hamburg hat man eine pauschale Meinung dazu, welche Reiseversicherungen überflüssig sind.

Bei der Verbraucherzentrale Hamburg hat man eine pauschale Meinung dazu, welche Reiseversicherungen überflüssig sind. Bild: Pixabay

Wer sich mit Versicherungen auskennt, hat folgende Frage bestimmt schon des Öfteren gehört: „Welche Versicherungen braucht man wirklich?“ Gerne auch ergänzt mit dem Zusatz: „Und welche sind überflüssig?“

Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat darauf nun klare Antworten gegeben, zumindest mit Blick auf den Bereich Reiseversicherungen. Wo der Fachmann nämlich ungern einem Produkt vollständig seinen Sinn abspricht und auch die persönliche Risikobereitschaft eines jeden Kunden mitentscheiden lässt, sind die Verbraucherschützer eher für eine pauschale Abstufung.

Braucht „Last Minute“ keinen Schutz?

Zwar besteht bei der Unverzichtbarkeit einer Auslandsreisekrankenversicherung durchaus Einigkeit zwischen VZHH sowie Vermittlern und Versicherern. Bei der Einordnung von Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherungen dürften die Meinungen aber bereits auseinandergehen. Die Verbraucherschützer erklären zwar, dass solche Policen bei „teuren Reisen mit mehreren Personen, die weit im Voraus gebucht werden“ in jedem Fall sinnvoll sind. Aber macht das die Produkte für spontan gebuchte Reisen automatisch überflüssig?

Schließlich können Gründe für einen Nichtantritt der Reise (zum Beispiel Unfälle, Krankheiten und Todesfälle im engen Familienkreis) auch in der einen Woche zwischen Last Minute-Buchung und Abflugtag auftreten. Zumal es für nicht wenige Menschen normal ist, eine Reise spontan zu buchen. Im VZHH-Leitfaden werden dazu die Stornokosten als maximaler Schaden (bei Nichtantritt) genannt. Doch gerade bei Nichtantritten kurz vor Abreise sind diese Stornokosten in der Regel am höchsten. Und nur weil eine Reise kurzfristig gebucht wird muss sie ja nicht billig sein. Dasselbe gilt für den Bereich Reiseabbruch, wenn man frühzeitig nach Hause muss, aber bereits bezahlte Leistungen noch vor sich hat.

Situativer Schutz ist „Unsinn“

Gänzlich überflüssig ist aus Sicht der Verbraucherschützer die Reisegepäckversicherung, da man „einen Schaden von einigen hundert Euro oder vielleicht etwas darüber nicht versichern muss“. Doch auch hier sollte man dem Verbraucher und seiner persönlichen Risikobereitschaft ein Mitspracherecht einräumen. Denn solche pauschalen Aussagen decken eben nicht jeden Einzelfall ab, sondern können bei Laien zu herben Enttäuschungen führen. Für Vermittler könnten solche nicht relativierten Aussagen zudem schnell in der Haftungsfalle enden.

Als „Unsinn“ werden Reiseunfallversicherungen bezeichnet, da man den Unfallschutz lieber gleich für das ganze Jahr abschließen sollte. Aber warum sollten sich Menschen, die beispielsweise im Büro arbeiten und keine gefährlichen Hobbies haben nicht kurzzeitig für eine Reise absichern können, auf der sie neue Sportarten ausprobieren wollen? Zumal sich Angebot und Nachfrage für situativen Versicherungsschutz aktuell im Aufwind befinden.

Konsens dürfte abschließend aber mit Blick auf Reisehaftpflichtversicherungen herrschen. Denn Haftpflichtschutz sollte man wirklich das ganze Jahr über genießen.

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