Rente: Niederländisches System unter Druck

Berater Top News Meistgeklickt von Detlef Pohl

Betriebliche Altersversorgung können in Holland nur Arbeitnehmer aufbauen – ähnlich wie bei uns. Sie ist an sich paritätisch aufgebaut, und zwar durch tarifvertragliche Regelungen. Da die meisten Tarifverträge in den Niederlanden allgemeinverbindlich sind, erfassen sie rund 90 Prozent aller Beschäftigten und haben damit eine quasi obligatorische Verbindlichkeit erreicht. Selbstständige zum Beispiel sind in diesem System nicht versichert.

Zusammen mit der Grundrente ist die Betriebsrente so aufgebaut, dass die Rentenleistungen zusammen einen bestimmten Prozentsatz des letzten verdienten Einkommens erreichen kann. Die Betriebsrenten werden als Leistungszusagen gewährt, bei denen die Grundrente angerechnet wird – völlig anders als bei uns.

Das gekoppelte Rentenniveau soll dabei mindestens 70 Prozent betragen. In jedem Jahr der Zugehörigkeit zur Betriebsrente werden 1,75 Prozent der kapitalgedeckten Betriebsrente aufgebaut. Die Finanzierung erfolgt durch Beiträge, von denen der Arbeitgeber zwei Drittel und der Arbeitnehmer ein Drittel zahlt. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt zwischen 15 und 25 Prozent des Einkommens.

ABP: Weniger als 50 Prozent in Anleihen

Wegen der Demografie setzen die Niederländer schon lange auf die bAV. Doch die Folgen der Finanzkrise haben auch unsere Nachbarn eingeholt „In Anleihen zu investieren wird nicht ausreichen, um die Lohnersatzraten zu erzielen, die nötig sind“, sagte Geraldine Leegwater, beim größten niederländischen Pensionsfonds ABP für Kapitalanlage verantwortlich, kürzlich auf einer bAV-Fachtagung in Berlin (procontra berichtete). Aus Sicht von Leegwater geht das nur durch ein ausgewogenes Anlageportfolio.

Es besteht derzeit zu 34 Prozent aus Aktien (davon 9 Prozentpunkte in Schwellenländern), 14 Prozent Darlehen und zehn Prozent Immobilien. Auf Sicht von zwanzig Jahren habe das eine jährliche Verzinsung von 7,0 Prozent gebracht. Pensionen werden nicht an die Preis- oder Lohnentwicklung angepasst. „Das kann zu Situationen führen, in denen wir Pensionen reduzieren müssen“, sagte sie. „Das ist keine populäre Maßnahme, aber besser, als gar nicht zu sparen.“

Die Chance allgemeinverbindlicher Tarifverträge

Bei uns will der Staat Arbeitnehmern über die Betriebsrente auch zu mehr Geld im Alter verhelfen. Bislang mit mäßigem Erfolg (procontra berichtete). Der Stillstand könnte alsbald staatlichen Zwang zur Teilnahme auslösen (procontra berichtete). Die Verbreitung der bAV nimmt zu, aber gemessen an der gesellschaftlichen Herausforderung völlig unzureichend (procontra berichtete). Einen nachhaltigen Wandel könnte man über Tarifverträge erreichen – wie in den Niederlanden praktiziert.

Seite 1: Demografie und Niedrigzins beuteln Niederlande
Seite 2: Notfalls Pensionen reduzieren

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare