Rente: Niederländisches System unter Druck

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Das niederländische Rentensystem, das maßgeblich aus Grund- und Betriebsrente besteht, gilt als eines der besten weltweit. Warum es nun auch dort zu Problemen kommt und wie sich im Verhältnis dazu Deutschland aufgestellt hat.

Für Rentner in den Niederlanden und in Deutschland gibt es finanzielle Unterschiede. Doch das Renteneintrittsalter steigt in beiden Ländern auf 67 Jahre.

Für Rentner in den Niederlanden und in Deutschland gibt es finanzielle Unterschiede. Doch das Renteneintrittsalter steigt in beiden Ländern auf 67 Jahre. Bild: Pixabay

Das Rentensystem unserer niederländischen Nachbarn gilt weltweit als vorbildlich. Kern ist eine beinahe bedingungslose steuerfinanzierte Grundrente. Sie beträgt gut 1.200 Euro, wenn man 50 Jahre vor dem Renteneintritt in den Niederlanden gewohnt oder gearbeitet hat. Für jedes Jahr der Abwesenheit von zu Hause wird den Holländern die Grundrente um 2,0 Prozent gekürzt. Daneben baut die große Mehrheit der Arbeitnehmer Ansprüche auf Betriebsrente auf – über obligatorische Pensionsfonds.

Das System ruht wie bei uns auch noch auf einer dritten Säule: der privaten Altersvorsorge. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Mischung aus umlagefinanzierter Rente und Kollektivsparen ist. Es gibt keine berufsständischen Versorgungswerke, und die Versorgung der Beamten wird nicht aus Steuern finanziert. Das niederländische Rentensystem ist somit nicht mit dem deutschen System vergleichbar.

bAV: verpflichtende Pensionsfonds über Tarifverträge

Auch das niederländische System gerät zunehmend unter Druck: der umlagefinanzierte Teil (Grundrente) wegen der Demografie, der kapitalgedeckte Teil (bAV) wegen der Niedrigzinsen. Und so soll – wie bei uns – das Renteneintrittsalter, das 2013 bei 65 Jahren lag, schrittweise auf 67 Jahre bis 2021 ansteigen. Und danach je nach Entwicklung der allgemeinen Lebenserwartung noch weiter ansteigen.

Dies hat kürzlich zu erheblichen Protesten und landesweiten Streiks geführt. Gewerkschaften fordern, das Renteneintrittsalter einzufrieren und Menschen mit „schweren Berufen“ einen früheren Eintritt ohne Abzüge zu gewähren. Derzeit gibt es ab dem 15. Lebensjahr bis zur Regelaltersrente für alle Niederländer eine Versicherungspflicht in der Rente. Sie ist eine Volksversicherung. Der Beitragssatz zur Rente liegt bei 17,9 Prozent des Einkommens bis maximal rund 35.000 Euro. Der Arbeitgeber führt den Beitrag vom Lohn/Gehalt ab.

Die Rente beträgt 45 Prozent seines Durchschnittslohnes, bei Alleinstehenden mindestens 70 Prozent des Mindestlohnes. Die Grundrente finanziert sich aus den Beiträgen der Versicherten im Umlageverfahren. Dazu kommt noch ein Zuschuss des Staates. Arbeitgeber finanzieren die Beiträge zur Rente nicht mit. Es gibt kein paritätisches Beitragsverfahren.

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