Reiseversicherung: Der unter die Räder gekommene Koffer

Berater von Martin Morgenstern

Unter welchen Umständen muss eine Versicherung für überfahrenes Reisegepäck aufkommen? Mit dieser Frage hatte sich das Amtsgericht München (Az. 111 C 12296/18) zu beschäftigen.

Urteil über Reisegepäckversicherung

Den Koffer mit dem Mietwagen überfahren. Muss die Reisegepäckversicherung dafür aufkommen? Bild: goffkein.pro

Eine Frau aus München hatte im Februar 2016 eine Reisegepäckversicherung abgeschlossen. Die Versicherungssumme betrug maximal 2.000 Euro. Rund anderthalb Jahre später verbrachte die Münchnerin einen zehntägigen Urlaub in der Türkei.

Der Fall

Am Tag der Abreise wartete die Klägerin mit ihrem Gepäck vor dem Hotel. Der Mitreisende, der sein eigenes Gepäck bereits im Kofferraum eines Mietwagens verstaut hatte, sollte die Frau vor der Hoteleinfahrt abholen. Bei der Anfahrt übersah der Mitreisende das am Boden befindliche Gepäck der Frau und überfuhr es mit dem rechten Vorderreifen. Dabei sei unter anderem ein Kleidersack im Wert von 2.500 Euro, eine Aktentasche im Wert von 500 Euro und eine Montblanc Füllfeder im Wert von 760 Euro beschädigt worden, so die Frau. Den entstandenen Schaden machte sie gegenüber ihrem Versicherer geltend. Die beklagte Assekuranz lehnte die Forderung ab, da es sich hierbei um keinen versicherten Schaden handeln würde. Laut der Versicherung würde weder ein Transportmittelschaden noch eine Straftat Dritter vorliegen. Daraufhin klagte die Frau vor dem Amtsgericht München.

Das Urteil

Die zuständige Richterin schloss sich der Auffassung der Versicherung an. Gemäß der Versicherungsbedingungen würden die Ansprüche aus der Reisegepäckversicherung nur dann gelten, wenn das „mitgeführte Reisegepäck während der Reise abhandenkommt oder beschädigt wird durch: - Straftat eines Dritten, - Unfall des Transportmittels, - Feuer- oder Elementarereignisse.“ Für die Richterin kommt eine Straftat durch einen Dritten im vorliegenden Fall nicht in Betracht. Es würde allenfalls eine nicht strafbare fahrlässige Sachbeschädigung vorliegen. Ein Unfall des Transportmittels könne ebenfalls ausgeschlossen werden, „da es hierfür an einer plötzlichen Einwirkung von außen mit mechanischer Gewalt auf das Transportmittel fehlt. Unabhängig von der Frage, ob das noch am Boden stehende Gepäck überhaupt schon transportiert wurde, ist hier allein eine Einwirkung durch das Transportmittel auf das Gepäck erfolgt und eben keine Einwirkung von außen auf das Transportmittel, wodurch es erst zur Beschädigung des Gepäcks gekommen ist.“

Das Urteil ist nach Rücknahme der Berufung rechtskräftig.

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