MiFID II: „Kunden sind überfordert“

Investmentfonds von Michael Fiedler

Die Pflichtinformationen im Rahmen von MiFID II überfordern die Kunden und stärken die Verunsicherung, stellte eine Studie fest. Damit würden die Ziele der Wertpapierrichtlinie deutlich verfehlt. Wie die Bundesregierung dazu Stellung bezieht.

Informationsoverkill MiFID II PRIPPs Geldanlage

MiFID II und PRIIPs sollen Anlegern eigentlich helfen - doch die fühlen sich überfordert. Bild: shutterstock.com

Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, wettert gegen die MiFID II: „Aus der Vermutung ist nun Gewissheit geworden: Mit der Wertpapierrichtlinie MiFID II ist der europäische Gesetzgeber deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Sie ist ein Ärgernis für die Kunden, ein Alptraum für Kreditinstitute und Berater und erweist dem Anlegerschutz und der Wertpapierkultur in Deutschland einen Bärendienst.“

Anlass für die heftige Kritik ist eine Studie, die die Deutsche Kreditwirtschaft in Auftrag gegeben hat. Dafür hat Prof. Stephan Paul (Ruhr-Universität Bochum) ca. 3.000 Kunden und über 150 Banken und Sparkassen in Deutschland befragt.

MiFID II sorgt für „negativen Nutzen“

Die Ergebnisse lassen aufhorchen: So hätten die Finanzmarktregulierungen zu einem steigenden Zeitaufwand für Kunden gesorgt, was zu einer Unzufriedenheit führt. „Die Fülle der Pflichtinformationen überfordert und verunsichert die Kunden.“ Es käme zu weniger Flexibilität und Individualität in der Kundenberatung und Kunden würden sich „in erheblichem Maß von den Kapitalmärkten zurückziehen, heißt es in der Untersuchung.

Das Fazit der Studie fällt deutlich aus: „Den hohen Kosten steht ein bestenfalls zweifelhafter und tendenziell sogar negativer Nutzen entgegen. Sind die erheblichen Belastungen damit nicht durch einen substantiellen Nutzenzuwachs auf Seiten der Verbraucher gerechtfertigt, sind die Neuregelungen in ihrer derzeitigen Ausgestaltung stark fragwürdig, eher gegen die Verbraucherinteressen gerichtet.“

Wie die Bundesregierung Stellung bezieht

Das sieht die Bundesregierung grundsätzlich anders. Das geht aus einer Regierungsantwort auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Darin heißt es: „Die Geeignetheitserklärung, die Ex-ante-Kosteninformationen sowie die Basisinformationsblätter nach der PRIIPs-VO ermöglichen es Kunden, Anlageentscheidungen auf einer besseren Grundlage zu treffen und stellen aus Sicht der Bundesregierung grundsätzlich einen Nutzen für den Anleger dar.“

Allerdings gesteht die Regierung teilweise auch Handlungsbedarf ein. Unter Verweis auf Erhebungen der BaFin heißt es von Regierungsseite, dass bei der Umsetzung der Geeignetheitserklärung in der Praxis noch Verbesserungsbedarf bestehe. Das sei der Fall, wenn, Institute pauschale, formelhafte Empfehlungsbegründungen, die den individuellen Verhältnissen und Anlagezielen der Kunden nicht gerecht werden, verwenden.

Weiter hieß es in der Regierungsantwort, dass das Evaluierungsverfahren zu MiFID II noch nicht abgeschlossen sei: „Es sind zahlreiche Stellungnahmen eingegangen, die derzeit analysiert werden. Soweit sich aus den laufenden Evaluationsmaßnahmen zu MiFID II Nachbesserungsbedarf ergibt, wird die Bundesregierung diesen gegenüber der Europäischen Kommission adressieren.“

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