Kfz: Was Kunden an Direktversicherern stört

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Die Unternehmen mit den höchsten BaFin-Beschwerdequoten in der Kfz-Sparte sind fast alle Direktversicherer. procontra wollte von ihnen wissen, woran das liegt. Die gemeinsame Hauptursache dürfte vor allem Vermittler freuen.

Die Kunden von Kfz-Direktversicherern griffen in den letzten Jahren verhältnismäßig häufig zum Instrument BaFin-Beschwerde.

Die Kunden von Kfz-Direktversicherern griffen in den letzten Jahren verhältnismäßig häufig zum Instrument BaFin-Beschwerde. Bild: Pixabay

Günstige Beiträge, etwas weniger Service und kein Außendienst: So lässt sich grob das Modell Direktversicherung beschreiben. Ein Modell, das ein erheblicher Teil der Versicherungskunden gut findet – vor allem in der Kfz-Versicherung.

Doch diese Kunden gehen mit ihren Anbietern auch hart ins Gericht. Das zeigt die aktuelle Bafin-Beschwerdestatistik. So finden sich unter den 9 Kfz-Versicherern mit den höchsten Beschwerdequoten 7 Direktversicherer. Ein Bild, das in etwa die Situation der letzten Jahre bestätigt. procontra wollte herausfinden woran das liegt und hat bei den Unternehmen nachgefragt.

Direktversicherer von Berechnungsmethode benachteiligt?

Die schlechteste Beschwerdequote im Jahr 2018 wies die Allsecur Deutschland AG aus, die Direktversicherungstochter der Allianz. Pro 14.845 Kfz-Policen gab es hier eine, von der Aufsicht abschließend bearbeitete Beschwerde. Die Zahlen zeigen bereits, dass man hier nicht von einer absoluten Beschwerdewelle sprechen kann, wohl aber von einer relativen. Denn während es über die Allianz Deutschland mit rund 12,6 Millionen Kfz-Policen im Bestand (laut Zahlen des BaFin-Jahresberichts 2018) insgesamt 89 Beschwerden gab, waren es bei der nur ein Zehntel so großen Tochter Allsecur 88 Fälle.

Bei der Allsecur versucht man das auch damit zu begründen, dass die BaFin-Beschwerdestatistik die Beschwerdeanzahl zum Ende eines Jahres ins Verhältnis zur Policenanzahl am Jahresanfang setzt. Die schnell wachsenden Direktversicherer würden deshalb bei dieser Berechnungsmethode grundsätzlich schlechter abschneiden als Unternehmen mit einem sehr stabilen Bestand.

Das mag bei kleinen Direktversicherern teilweise zutreffen. Die Allsecur ist von 2017 auf 2018 aber nur um etwa 5 Prozent gewachsen, was für eine verzerrte Statistik wohl nicht ausreichend ist. Auch bei anderen Direktversicherungstöchtern großer Häuser sahen die BaFin-Beschwerdequoten des letzten Jahres nicht gut aus – obwohl bei beiden der Bestand sogar geschrumpft ist. Allerdings wollte man unsere Nachfrage seitens der R+V Direktversicherung AG (R+V-Tochter) nicht kommentieren. Die DA Deutsche Allgemeine Versicherung AG (Direktversicherer der Zurich Gruppe Deutschland) ließ unsere Anfrage sogar gänzlich unbeantwortet. (Anm. d. Red.: Die DA Direkt hat doch noch auf unsere Anfrage geantwortet. Als Gründe für die BaFin-Beschwerden nennt der Versicherer unter anderem Kritik an der Bearbeitungsdauer, insbesondere in der arbeitsintensiven Kfz-Wechselsaison. Man sei aber stets um Verbesserung bemüht, zum Beispiel durch zusätzliche Mitarbeiter.).

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