Gewerbeversicherung: „Es gibt fast keine Papieranträge mehr“

Unternehmerversicherung Berater von Beatrix Altmann

procontra: Automatisierte Prozesse können diesen Nachteil doch aufwiegen?

Finke: Diese Entwicklung hat aber auch Nachteile, die zu Lasten der Individualität gehen. Um Prozesse automatisch zu verarbeiten, müssen auch die Deckungen standardisiert werden. Zusätze zum Wording, Sideletter oder gar eigens für ein Risiko durchgeschriebene Bedingungen sind bei vielen Versicherungen nicht mehr möglich. Dieses bedeutet aber auch, dass Gewerbetreibende durchaus unzureichende Deckungen bekommen. Nicht viele Versicherer bieten derart umfangreiche Wordings, das keine Deckungslücken entstehen können.

procontra: Und darin besteht ein wesentlicher Unterschied zu früher?

Finke: Während der Makler früher, auch bei kleineren Deckungen, sehr flexibel agieren konnte, muss er heutzutage immer mehr vergleichen, um die passende Deckung zu finden. Hier haben sich Spezialmakler entwickelt, die für bestimmte Zielgruppen eigene Wordings anbieten, die genau auf diese Gruppe abgestimmt sind.

procontra: Sinkende Provisionserlöse und erhöhte Stornohaftung im Leben- und Krankenbereich haben dazu geführt, dass Vermittler, die bislang nur in diesen Bereichen tätig waren, in den Gewerbebereich drängen. Wie beurteilen Sie das? Viele Deckungen passen nicht zu den vorhandenen Risiken

Finke: Hier sehe ich allerdings auch eine sehr besorgniserregende Entwicklung. Viele Vermittler haben nicht das Fachwissen, das man im Gewerbebereich benötigt, um das Risiko und die richtigen Deckungen zu ermitteln. Sehr oft wird auch hier gemäß dem Motto: „Ich kann es billiger“ agiert. Wir sehen bei con4b jeden Tag Deckungen, die nicht zu dem vorhandenen Risiko passen.

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Seite 2: Viele Gewerberisiken mit falschen Deckungen
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