BU-Versicherung: Warum der neue Finanztest wenig bringt

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Die BU-Versicherung ist erneut in den Fokus geraten. Insbesondere die Untersuchung von Finanztest kann nicht ohne kritischen (Makler-)Kommentar bleiben. Und Berater kommen auch weiterhin nicht ohne eigene Marktrecherche aus.

Finanztest schwankt bei der BU-Untersuchung „zwischen nützlichen Hinweisen, Falschinformationen und handwerklichen Fehlern“, meint BU-Makler Matthias Helberg. Bild: Uwe Lewandwoski

Die meisten Kunden würden nicht mehr als 25 Euro pro Monat für eine BU-Versicherung ausgeben, ergab die Continentale-Studie zur Berufsunfähigkeit 2019. Doch was kostet eine BU-Police tatsächlich? In der Juli-Ausgabe von „Finanztest“ hat die Stiftung Warentest 59 Tarife getestet und davon 35 für sehr gut befunden. Genannt wurden Preisbeispiele für drei relativ junge Kunden und Berufsgruppen.

  • Ein Controller (30) zahlt für 2.000 Euro Monatsrente bis zum Endalter von 67 Jahren bei einem „sehr gut“ getesteten Tarif im Moment bei Versicherern mit Maklervertrieb zwischen 831 Euro netto (Canada Life) und 1.252 Euro Jahresbeitrag (Württembergische). Aufgezinst auf Monatsbeiträge sind das ungefähr 70 bis 110 Euro.
  • Ein Industriemechaniker (25) mit Kind zahlt für 1.500 Euro Monatsrente bis zum Endalter von 67 Jahren bei einem „sehr gut“ getesteten Tarif im Moment bei Versicherern mit Maklervertrieb zwischen 1.018 Euro netto (Axa) und 2.948 Euro Jahresbeitrag (WWK). Aufgezinst auf Monatsbeiträge sind das ungefähr 86 bis 247 Euro.
  • Eine Arzthelferin (25) zahlt für 1.000 Euro Monatsrente bis zum Endalter von 67 Jahren bei einem „sehr gut“ getesteten Tarif im Moment bei Versicherern mit Maklervertrieb zwischen 618 Euro netto (Basler) und 1.127 Euro Jahresbeitrag (Axa). Aufgezinst auf Monatsbeiträge sind das ungefähr 53 bis 95 Euro.

Kritik von Makler Matthias Helberg

Kritik am aktuellen BU-Finanztest kommt vom BU-Makler Matthias Helberg. Der Inhaber der gleichnamigen Versicherungsmakler e.K. nennt den Test schlicht „intransparent“. Finanztest schwanke „zwischen nützlichen Hinweisen, Falschinformationen und handwerklichen Fehlern“.

Viele Kriterien hätten die Warentester im BU-Test 2019 wieder nicht interessiert oder wurden zumindest nicht berücksichtigt. Beispiel: Musterkunden eignen sich nicht für Tests, da niemand exakt der Musterkunde ist. „Jede Abweichung kann andere Ergebnisse für den einzelnen bringen“, so Helberg. Der Test müsse wegen des geringen Umfangs im Heft oberflächlich bleiben, Hintergrunddetails blieben für den Leser unbekannt. 

Einordnend muss man erwähnen, dass Musterkunden aber auch nicht jeden Verbraucher repräsentieren, sondern einen Querschnitt und erste Orientierung liefern sollen. Eine professionelle und individuelle Beratung - vor allem im BU-Bereich - ist daher unerlässlich.    

„Für den einzelnen Verbraucher können damit unter Umständen existenziell wichtige Punkte auch in den Testsieger-Tarifen nicht enthalten sein“, warnt Helberg. 18 Punkte listet er namentlich auf, darunter diese zehn:

  • Verzichtet der Tarif auf eine abstrakte Verweisung auch bei Schülern, Studenten, Azubis und Hausfrauen? 
  • Ob und mit welchen potentiellen Stolpersteinen eine BU-Versicherung für Schüler oder Studenten angeboten wird?
  • Gibt es eine Option, bei einem Wechsel in einen risikoärmeren Beruf die Berufsgruppe zu überprüfen und damit die Beitragshöhe zu reduzieren?
  • Welche zusätzlichen Anforderungen werden hinsichtlich der Pflicht zur Umorganisation in den Betrieben von Selbstständigen und Freiberuflern gestellt?
  • Gibt es spezielle Berufsunfähigkeitsversicherungs-Klauseln für Berufe wie Ärzte, Flugbegleiter oder Polizisten?
  • Gilt der Verzicht auf die abstrakte Verweisung nur in der ersten Prüfung auf Berufsunfähigkeit, oder auch bei den später anschließenden Nachprüfungen?
  • Verzichtet der Tarif auch auf die konkrete Verweisung? Ist zumindest bei Anwendung der konkreten Verweisung die bisherige Lebensstellung genauer definiert?
  • Gibt es besondere Klauseln hinsichtlich des Übergangs vom Krankentagegeld privat Versicherter zur Berufsunfähigkeitsrente?
  • Gibt der Versicherer während der Leistungsprüfung von sich aus verpflichtend innerhalb festgelegter Zeitintervalle Informationen über den Stand der Dinge an den Versicherungsnehmer?
  • Gibt es andere Staffelregelungen als den Standard „100% BU-Rente ab 50% Berufsunfähigkeit“?

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