„Wir haben richtig auf die Mütze bekommen“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Julia Groth

Frank Fischer ist Chef der Investmentboutique Shareholder Value Management, die unter anderem den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen verwaltet. Im procontra-Interview spricht er über die Chancen von Marktkorrekturen, seine Prognose für das laufende Jahr und die Zukunft von Value-Strategien.

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„Das Gute an Korrekturen wie jener im vergangenen Jahr ist, dass Aktien danach vergleichsweise günstig sind“, sagt Frank Fischer. Bild: Shareholder Value Management

procontra: Herr Fischer, Sie gehören zu den bekanntesten Value-Investoren Deutschlands. Nun lief es im vergangenen Jahr nicht gerade gut für Substanzaktien, und auch für Sie…

Frank Fischer: Wir haben richtig auf die Mütze bekommen. Da lernt man Demut, das gehört zum Geschäft. Man muss einfach anerkennen, dass man nicht immer alles richtig machen kann. Wir haben die Warnsignale im vergangenen September nicht erkannt und sind dafür abgestraft worden.

procontra: Wird das Jahr 2019 besser?

Fischer: Es gibt zumindest Hoffnungszeichen. Fed-Chef Jerome Powell hat erkannt, dass die Anleger eine gewisse Hoheit über die Notenbank haben. Wenn er nicht will, dass die Finanzmärkte abschmieren, muss er behutsam agieren. Der Herr der Fed ist zu einem gewissen Grad ein Sklave der Märkte. Das vorsichtigere Vorgehen der US-Notenbank schürt bei Anlegern die Hoffnung auf eine höhere Liquidität an den Märkten, und das stützt die Aktienkurse.

procontra: Die Kurse haben sich seit Jahresbeginn deutlich erholt. Ist der Aufwärtstrend am Aktienmarkt von Dauer?

Fischer: Das hängt davon ab, ob der Trend zusätzlich zu den günstigeren geldpolitischen Rahmenbedingungen Futter bekommt. Momentan sieht es in dieser Hinsicht gut aus. Es gibt zum Beispiel positive Signale aus China. Peking hat zu Jahresbeginn beschlossen, 370 Mrd. US-Dollar in den Markt zu drücken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das entspricht drei Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts. Die Regierung investiert das Geld unter anderem in Infrastrukturprojekte und in die lokale Automobilindustrie. Insgesamt hängt in den kommenden Monaten allerdings viel von der Liquidität an den Märkten ab, und auch von der Politik.

procontra: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Leitzinsen in der Eurozone voraussichtlich frühestens im Jahr 2020 anheben. Ist das ein gutes Zeichen für Aktienanleger, weil eine lockere Geldpolitik die Aktienkurse stützt? Oder ein schlechtes, weil es bedeutet, dass sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt hat?

Fischer: Eine Zinsnormalisierung würde zu einem kalten Liquiditätsentzug mit entsprechenden Konsequenzen an den Märkten führen. Von daher sorgt der Aufschub für eine gewisse Entlastung. Andererseits muss man sich tatsächlich auch die Beweggründe der EZB anschauen, und die bieten weniger Grund für Optimismus. Italien muss bis zum Sommer Staatsschulden in Höhe von rund 250 Mrd. Euro refinanzieren. Ohne Unterstützung von der Zinsseite dürfte das noch schwieriger werden als es ohnehin schon ist. Die Schuldensituation in Italien ist für Anleger mittelfristig beunruhigend, weil sie die Stabilität der Eurozone gefährdet.

procontra: Das klingt nicht gerade nach dem besten Umfeld für einen Nebenwertefonds. Der Frankfurter Value Focus Fund hat seit kurzem die Vertriebszulassung für Deutschland. War die Neuzulassung zum jetzigen Zeitpunkt eine gute Idee?

Fischer: Den Fonds gibt es ja bereits seit 2008. Man muss immer überlegen, welche Chancen es gibt. Das Gute an Korrekturen wie jener im vergangenen Jahr ist, dass Aktien danach vergleichsweise günstig sind. Das kommt uns entgegen, so funktioniert unser Geschäft. Wir arbeiten mit Sicherheitsmargen, wollen den Euro für 60 Cent kaufen. Schauen Sie sich zum Beispiel die Freenet-Aktie an. Vor einigen Monaten lag deren Dividendenrendite noch bei sieben Prozent. Jetzt liegt sie bei acht Prozent. Das finden wir deutlich besser als eine Staatsanleihe mit einem Kupon, der nicht einmal die Inflation ausgleicht.


Hinweis: Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der procontra.

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