Was Verbraucher in die Überschuldung treibt

Berater von Florian Burghardt

Die Ursachen für Überschuldung sind vielfältig. Vergleicht man junge und alte Schuldner miteinander, zeigen sich höchst unterschiedliche Gründe für das Aufsuchen von Schuldnerberatungsstellen. Auch die Gläubiger unterscheiden sich, das Einkommen aber kaum.

Die Gründe dafür, warum Menschen Schuldnerberatung in Anspruch nehmen, variieren stark mit dem Lebensalter.

Die Gründe dafür, warum Menschen Schuldnerberatung in Anspruch nehmen, variieren stark mit dem Lebensalter. Bild: Pixabay

Ein niedriges Einkommen über einen längeren Zeitraum hinweg ist eher selten der Grund für Menschen, die Dienste von Schuldnerberatungsstellen in Anspruch zu nehmen. Nur für 8,3 Prozent von ihnen war dies der Hauptauslöser für die Bitte nach finanziellem Rat. Die größte Ursache hingegen ist die Arbeitslosigkeit (20 Prozent), gefolgt von Erkrankungen, Sucht, Unfällen (zusammen 15,8 Prozent). Auch Trennung, Scheidung und Tod des Partners sind häufiger (13,1 Prozent) Ursache für einen Kontrollverlust über die eigenen Finanzen.

Das geht aus der aktuellen Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Diese beruht auf den Angaben von 559 der insgesamt rund 1.450 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland. Insgesamt flossen somit die anonymisierten Daten von rund 136.000 beratenen Personen in die Statistik ein.

Handy bricht jungen das Genick

Die Hauptauslöser für Überschuldung erhalten eine ganz andere Gewichtung, wenn man sie aus der Sicht besonders junger (unter 25 Jahren) beziehungsweise alter (ab 65 Jahren) Schuldner betrachtet. So spielt Arbeitslosigkeit für die jungen zwar eine große Rolle (19,1 Prozent), allerdings sind sie noch häufiger durch eine unwirtschaftliche Haushaltsführung in die Misere geschlittert.

Das wird besonders beim Blick auf die Art der Gläubiger deutlich. So haben zwei Drittel aller Schuldner unter 25 Verbindlichkeiten bei Telekommunikationsunternehmen. Im Durchschnitt betragen diese 1.573 Euro bei einer durchschnittlichen Gesamtschuldenhöhe von 8.849 Euro. Dem steht bei den beratenen Personen dieses Alters ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen von gerade einmal 777 Euro gegenüber. Relativ häufig haben die jungen Schuldner zudem Außenstände bei öffentlichen Gläubigern wie dem Finanzamt (53,6 Prozent, Mehrfachnennungen möglich) oder beim Versandhandel (32,8 Prozent).

Rückzahlung noch realistisch?

Bei den älteren Schuldnern gibt es mehrere verschiedene Hauptauslöser. Was aber rund zwei Drittel von ihnen gemeinsam haben, sind Schulden bei Banken. Diese belaufen sich im Durchschnitt auf 22.989 Euro.

Ihre durchschnittlichen Gesamtschulden liegen bei 43.740 Euro, also etwa dem Fünffachen der Schuldner unter 25. Allerdings könnte es für sie deutlich schwerer werden, dieses Minus noch zu tilgen. Denn laut der Statistik beträgt ihr durchschnittliches Monatsnettoeinkommen mit 1.051 Euro gerade einmal 274 Euro mehr als bei den unter 25-Jährigen.

Die Überschuldung von Verbrauchern kann auch mit schlechter Beratung bei der Kreditvermittlung zusammenhängen. Mit diesem und anderen profino-Webinaren von FinanzcheckPro können Vermittler ihr Fachwissen in diesem Bereich aufbessern.

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