Warenkreditversicherung: Insolvenzen auf dem Vormarsch

Berater Versicherungen Top News von Carla Fritz

Firmen, die mit ihrer Pleite ganze Lieferketten zum Abriß bringen, Insolvenzen, die angefochten werden: Bevor "Zombiebetriebe" profitable Firmen mit in die Pleite reißen, sollte der Abschluss einer Warenkreditversicherung geprüft werden.

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„Durch die lange Niedrigzinsphase konnten sich auch hierzulande unprofitable ‘Zombieunternehmen‘ künstlich am Leben halten“, sagt Michael Kolb, Chef des Maklervertriebs bei Euler Hermes. Bild: shutterstock.com/ solarseven

Die Zahl der Firmenpleiten dürfte in diesem Jahr bundesweit erstmals wieder stagnieren. Keine Good News für Unternehmen der Exportnation Deutschland, was Euler Hermes prognostiziert. Denn 2018 waren die Insolvenzzahlen noch rückläufig – ununterbrochen seit 2010.

Gleichzeitig setzt sich der Trend zu höheren Schäden auch im laufenden Jahr fort. „Wenn es kracht, dann meist richtig“, sagt Michael Kolb, Chef des Maklervertriebs des Unternehmens. In solchen Fällen sei meist über einen Dominoeffekt die ganze Lieferkette betroffen. Seit 2015 haben sich die durchschnittlichen Schäden für Unternehmen durch Insolvenzen verdoppelt.

Weltweit geht der Kreditversicherer in diesem Jahr – zum dritten Mal in Folge – von einer Zunahme der Insolvenzen aus (+ 6 %). „Insbesondere in China erwarten wir in diesem Jahr eine Pleitewelle“, so Kolb. Aber auch im Euroraum sind nach seinen Worten Insolvenzen wieder auf dem Vormarsch. „Durch die lange Niedrigzinsphase konnten sich auch hierzulande unprofitable ‘Zombieunternehmen‘ künstlich am Leben halten.“ Mit der sich abschwächenden Konjunktur und dem Ende des billigen Geldes sei das jedoch auch vorbei. In einigen Branchen hat die Trendwende auch schon in Deutschland stattgefunden. Das betrifft Kolb zufolge etwa konsumorientierte Bereiche wie Dienstleistungen, Information und Kommunikation, Freizeitaktivitäten, Hotels und Gastronomie oder Baugewerbe.

Welcher Umfang wird gebraucht?

Noch keine Hoch-Zeit für Warenkreditversicherungen, aber „wieder eine Sensibilisierung“ für die diesbezügliche Absicherung von Forderungen aus Warenlieferungen, Werk- und Dienstleistungen, registriert Fachmakler Frank Otto, Vorstand des Internationalen Verbandes der Kreditversicherungsmakler, BARDO. – Festmachen lässt sich das nicht zuletzt an einer um fünf Prozent höheren Deckung von Ausfallrisiken durch die Warenkreditversicherung von insgesamt 424 Milliarden Euro 2018, auf die der GDV verweist.

Fragen, die sich für Makler und ihre Kundschaft bei der Auswahl unter anderem stellen: Inwiefern wird eine möglichst umfassende Absicherung gebraucht? Wenn zum Beispiel ein sogenannter „protracted default“ – das heißt ein Nichtzahlungstatbestand – vereinbart ist, zahlt die Versicherung nicht erst bei Insolvenz des Schuldners, sondern schon zu einem früheren Zeitpunkt. Ein Dauerbrenner und ein Risiko, das Unternehmen oftmals nicht auf dem Schirm haben – die Absicherung gegen Insolvenzanfechtung. „Wer rechnet schon damit, dass ein Insolvenzverwalter Jahre später bereits bezahlte Rechnungen zurückfordert?“, so Kolb.

Derzeit sei ein Wandel im Markt erkennbar, nicht mehr ausschließlich umfassende Verträge anzubieten, die den gesamten Umsatz des Unternehmens einbeziehen. Darauf weist Eva Kelker, Juristin und Beraterin Grundsatz/Underwriting in der R+V-Abteilung Delkredere hin. Single-Risk, Einzelforderungsabsicherungen und TopUp-Lösungen für Forderungen oberhalb des gewährten Kreditlimits werden demnach zunehmend nachgefragt und angeboten.
Maßgebend in jedem Fall ist für Spezialmakler Otto: Bietet der Kreditversicherer einen guten Online-Service mit zügiger Antwort auf eine Kreditanfrage? „Wenn man im Maximum drei Tage darauf warten muss, ist das gerade im Exportgeschäft im Grunde schon zu lang.“

Hinweis:
Der Text erschien zuerst in der Printausgabe der procontra.

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