Postbank entschädigt Rentnerin nach fragwürdiger Fonds-Beratung

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Nachdem sie die Risikoinformationen eines Fonds mit der Lupe gelesen hatte, wollte eine 90-Jährige die Anlage ihrer knapp 50.000 Euro stoppen. Als sie bei der Postbank auf Granit biss, holte sie sich Hilfe bei Verbraucherschutz und BaFin.

Bei der Postbank wollte man auf die Forderungen der alten Dame anfangs nicht eingehen. Erst unter Einbeziehung von Verbraucherschutz und BaFin fand sich eine Lösung.

Bei der Postbank wollte man auf die Forderungen der alten Dame anfangs nicht eingehen. Erst unter Einbeziehung von Verbraucherschutz und BaFin fand sich eine Lösung. Bild: Postbank

Eine mittlerweile 90-jährige Kundin der Postbank wird nun von dem Geldinstitut vollständig entschädigt. Sie erhält die Differenz, die zwischen dem Kauf und Verkauf ihrer Anteile des JP Morgan Global Income Fund entstanden sind. Darüber hinaus werden ihr Zinsen für die Überziehung ihres Anlagekontos durch die Bank gutgeschrieben und die Veräußerung von Anteilen am CS Euroreal storniert, die sie gar nicht verkaufen wollte. Dass berichtet die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH), die sich in dieser Sache für die Rentnerin eingesetzt hat.

Diese war im Herbst 2018 von ihrem neuen Postbankberater zum Kauf von Anteilen des Fonds überredet worden, der sich laut VZHH ausdrücklich an risikobewusste Anleger richtet. Die Dame hätte bei der Geldanlage aber wohl ausdrücklichen Wert auf Sicherheit gelegt. Nachdem sie die Werbeinformationen über den Fonds zuhause mit einer Lupe gelesen hatte, habe die Seniorin in den Tagen nach dem Beratungsgespräch noch mehrfach versucht, die Transaktion aufzuhalten. Letztlich wurde dieser aber durchgeführt und damit von ihrem leeren Anlagekonto knapp 48.000 Euro abgebucht.

Keine Geeignetheitserklärung erhalten

Auch im Nachhinein hatte sie im Gespräch mit der Bank keine Lösung finden können. Wie die Verbraucherschützer berichten, hatte die Postbank alle Forderungen der Kundin abgelehnt, eine Beratung und angebotene Bedenkzeit ausgeschlagen und auf eine sofortige Durchführung des Geschäfts bestanden – völlig entgegen ihrem bisherigen Anlageverhalten.

Nachdem sie sich an die VZHH gewandt hatte, schaltete diese zudem noch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein. Wichtigster Kritikpunkt dabei: Die Rentnerin hatte von der Bank keine Geeignetheitserklärung für die Anlage erhalten, obwohl diese seit 2018 pflichtgemäß auszuhändigen ist.

Als die BaFin die Postbank um Stellungnahme zu dem Fall gebeten hatte, willigte diese im März 2019 ein, die Dame „aus Kulanz“ und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht für die entstandenen Kursverluste zu entschädigen. Nach weiterem Nachhaken seitens der VZHH habe das Geldinstitut dann Mitte April der vollständigen Entschädigung (wie oben beschrieben) zugestimmt.

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