PKV-Wechsel: Beratung muss seriös bleiben

Berater Top News von Uwe Schmidt-Kasparek

Anpassungen weiterer Gesellschaften würden vermutlich in den nächsten Wochen bekannt. Widge arbeitet seit Jahren sehr eng mit zahlreichen Versicherungsvermittlern zusammen. Neben der Recherche nach dem günstigsten Tarif, gibt es auch Verkaufsmaterial für die Kooperationspartner. Yildirim: „Außerdem erhalten die Versicherungsvermittler nach einer erfolgreichen Tarifumstellung eine wettbewerbsfähige Umsatzprovision von uns.“
Trotz allem bleibt zumindest das Erfolgshonorar umstritten. Weil nach der Einsparung honoriert wird, besteht ein Anreiz, einen besonders günstigen Tarif zu vermitteln, sagen Verbraucherschützer. Auch der Bundesverband der Versicherungsberater (BVVB) hat sich gegen eine Erfolgshonorierung ausgesprochen. „Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten eine unabhängige und ergebnisoffene Beratung“, sagt BdV-Chef Axel Kleinlein. Er will nun gegen das Minvera-Urteil Revision einlegen. Sollte der BGH das Urteil nicht kippen, müsste der Gesetzgeber tätig werden, fordert Kleinlein. Doch eigentlich kann jede Honorarform von unseriösen Anbietern für ihre Zwecke manipuliert werden, meint zumindest der Versicherungsmakler Javier Garcia aus Bad Oeynhausen. „Entscheidend sind immer Seriosität und Kompetenz des jeweiligen Versicherungsmaklers oder Versicherungsberaters“, so Garcia.

Wechselberatung muss seriös bleiben

Doch wann artet die Tarifwechselberatung in unseriöse Geschäftemacherei aus? Vielleicht kann man dies an der Transparenz und der Höhe der Vergütung festmachen. So war die Gebühr auf der Homepage der Widge GmbH weder Anfang 2017 noch im März 2019 ersichtlich und nur auf Anfrage ermittelbar. „Wer auf seiner Homepage, nicht ganz deutlich das Erfolgshonorar nennt, macht dies aus einem einzigen Grund: Er versucht zu verschleiern, was die Beratung tatsächlich kostet“, kritisiert Makler Garcia. So könne der Kunde nicht vergleichen. Hier würden Verbraucher einfach nur angelockt. Nach diesen Kriterien dürfte die Hc Consulting AG aus Köln besonders seriös sein. Der Versicherungsmakler berät den Tarifwechsel kostenfrei, wenn der Kunde einen Maklervertrag unterzeichnet. Somit „lebt“ der Makler von der laufenden Bestandsprovision von rund zwei Prozent der Beiträge. Versicherungsmakler Ferdinand Halm will sich zu seinem Geschäftsmodell – das immer noch einzigartig am Markt ist – nicht äußern. Mit Berichterstattung habe er immer nur schlechte Erfahrungen gemacht. Alle Informationen gebe es auf seiner juristisch durchgescheckten Homepage. Nicht klären konnten wir, wie Halm mit den Kunden umgeht, die bei keinem seiner 22 Versicherungspartner unter Vertrag stehen. Das sind beispielsweise Concordia, Debeka, DEVK, HUK-Coburg, Landeskrankenhilfe LKH, LVM, Mannheimer Versicherungen, Mecklenburgische, PAX-Familienfürsorge, Provinzial oder Württembergische. Halm wird diesen Kunden wohl einen Korb geben müssen, während gegen Erfolgshonorar eine Beratung möglich wäre. Somit zeigt sich, dass kein Geschäftsmodell bei der Tarifwechselberatung unfehlbar ist.

Den vollständigen Text mit einer tabellarischen Übersicht finden Sie in der aktuellen Printausgabe der procontra.

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