Pflege 2040: Beitragssatz bei über 4 Prozent?

Berater von Michael Fiedler

2040 steigt der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung „zwangsläufig auf mindestens 4,1 % im Jahr“, heißt es in einer aktuellen Studie. Bleibt die Ausgaben-Entwicklung in der Pflege so, wie im Schnitt der letzten 20 Jahre, drohen sogar noch höhere Pflege-Beiträge.

Franziska Giffey Jens Spahn Pflege Pflegeversicherung Beitrag

Müssen sich den Herausforderungen in der Pflegepolitik stellen: Jens Spahn (l, CDU), Bundesgesundheitsminister, und Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin, auf dem Deutschen Pflegetag. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angesichts wachsender Ausgaben im Pflegebereich eine Steigerung des Beitragssatzes in Höhe von 0,2 Prozentpunkten gerechtfertigt sah, erntete er teilweise heftigen Gegenwind von Gewerkschaftsseite.

Aktuelle Studien des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) sagen allerdings einen Anstieg des Beitragssatzes um über ein Drittel bis 2040 voraus.

In einem fiktiven Rechenmodell schreiben die Wissenschaftler die Versichertenzahl fort und zeigen, wie sich die Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung unter verschiedenen Rahmenbedingungen entwickeln würde. Bereits im optimistischen Szenario würde der Beitragssatz von 2,85 Prozent in 2017 auf knapp 3,7 Prozent in 2030 und auf 4,1 Prozent in 2040 ansteigen.

Unterstellt man aber einen Abstand zwischen der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung in der Pflegeversicherung von 3 Prozentpunkten, ergibt sich ein anderes Bild. Dann wäre mit einem Beitragssatz von 5,2 Prozent in 2030 und 7,9 Prozent in 2040 zu rechnen.

Pflegeversicherung: Fiktive Schulden in Höhe von 435 Milliarden Euro

In einem ähnlichen Rechenmodell für eine kapitalgedeckte Pflegeversicherung haben die Wissenschaftler die Kalkulationsgrundlagen der Privaten Pflegeversicherung auf das Kollektiv der Sozialen Pflegeversicherung übertragen. In dieser fiktiven Modellrechnung wären so 435 Milliarden Euro Alterungsrückstellungen bis 2017 angespart worden, die zur Finanzierung von Leistungen im Alter zur Verfügung gestanden hätten. In einem kapitalgedeckten Finanzierungssystem wäre man also nicht auf die Folgegenerationen angewiesen, um die Leistungsausgaben in kostenintensiven Altersjahren zu decken, so das Fazit des WIP. Weitere Leistungserweiterungen in der Pflegeversicherung sollten nicht im Umlagesystem finanziert werden, so die Forderung.
Gegenvorschlag der Wissenschaftler: Um jüngere Generationen zu entlasten und Freiraum für kapitalgedeckte Vorsorge zu bieten, sollte die Umlage reduziert und ältere (Erwerbstätigen-)Generationen über höhere Eigenleistungen stärker belastet werden.

Angesichts der bereits heute steigenden Eigenbeiträge, über deren Deckelung debattiert wird, scheint diese Forderung allerdings abwegig. Ob damit der Einführung von Teilkapitaldeckungsmodellen in der gesetzlichen Pflegeversicherung gedient ist, bleibt abzuwarten.

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