Offene Autotür gerammt: Wer hat wie viel Schuld?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Alltag: Das Auto geparkt, die Tür in Richtung Straße geöffnet. Doch wer trägt die Schuld, wenn es nun zur Kollision mit vorbeifahrenden Autos kommt? In einem Berufungsverfahren hatte das Landgericht Arnsberg dazu ein Urteil gesprochen.

Wer hat Schuld, wenn ein vorbeifahrendes Auto mit der geöffneten Tür eines parkenden Wagens kollidiert?

Wer hat Schuld, wenn ein vorbeifahrendes Auto mit der geöffneten Tür eines parkenden Wagens kollidiert? Bild: Pixabay

Eine Frau wollte ihr Kind aus dem Kindersitz ihres Autos abschnallen. Dazu hatte sie die linke, hintere Autotür geöffnet und hatte sich in den Wagen gebeugt.  Die Tür war in einem Winkel von etwa 40-45 Grad geöffnet, so dass sie etwa 50-60 Zentimeter in den Straßenraum einragte. Als ein anderes Fahrzeug an dem parkenden Wagen vorbeifahren wollte, fuhr er gegen die geöffnete Tür. In der Folge klagte der Fahrer gegen die Frau und verlangte rund 4.500 Euro Schadenersatz.

Das Amtsgericht Menden hatte den Mann zunächst für allein verantwortlich für den Verkehrsunfall gehalten und wies die Klage ab. Der Mann legte jedoch Berufung vor dem Landgericht Arnsberg (Az.: 3 S 198/16; Urteil vom August 2017) ein.

Teilschuld bei Fahrer des parkenden Wagens

Dieses erkannte zumindest eine Teilschuld bei der Frau. So sei es unerheblich gewesen, dass die Fahrzeugtür bereits geöffnet war und sie sich zum Abschnallen des Kindes in das Fahrzeug gebeugt hatte. Denn die Beklagte habe nicht darauf vertrauen dürfen, dass der herannahende Verkehr während des Abschnallvorgangs ausreichend Sicherheitsabstand einhalten würde. Sie hätte sich vielmehr vergewissern müssen, ob Fahrzeugverkehr herannaht, um gegebenenfalls den Abschnallvorgang unterbrechen und die geöffnete Tür wieder schließen zu können.

Allerdings befanden die Richter auch den Fahrer des vorbeifahrenden Autos für schuldig. Zwar gebe es zum Seitenabstand beim Passieren eines parkenden Fahrzeugs keine starren Regeln. Regelmäßig sei aber ein Abstand von einem Meter einzuhalten. Nach § 1 Abs. 2 StVO bestehe die Pflicht, in einem so groß bemessenen Abstand an einer geöffneten Fahrzeugtür vorbeizufahren, dass es auch bei einer Vergrößerung des Öffnungswinkels nicht zu einer Kollision kommen kann. Notfalls müsse vor der geöffneten Tür angehalten werden, so die Richter.

Da der Schuldvorwurf des Klägers aus Sicht des Landgerichts als grob fahrlässig und somit schwerer zu werten sei, als der Vorwurf der Beklagten, wurde auf eine Haftungsverteilung von 80 Prozent (musste der Kläger zahlen) zu 20 Prozent (musste die Frau zahlen) entschieden.