Konterkariert vzbv-Extrarente den Standard-Riester?

Berater Top News von Detlef Pohl

Viel höhere Kosten als auf ersten Blick erkennbar

Apropos Kosten: Die Extrarente soll „keine unnötigen Kosten und Gebühren“ enthalten. Als Weg dazu wird vorgeschlagen, dass ein öffentlich-rechtlicher Träger zuständig sein soll, der dann über zeitlich befristete Ausschreibungsverfahren private Fondsmanager beauftragt, das Geld am Kapitalmarkt anzulegen. Der Träger werde damit selbst nicht im Kapitalmarkt aktiv. Das hört sich gut an, weil dem Staat damit der Zugriff auf das geld verwehrt wird und somit verfassungsrechtlicher Eigentumsschutz bestünde.

Die Kostenrechnung dürfte jedoch eine Milchmädchenrechnung werden. Neben den oben schon skizzierten Beratungskosten sollen keine Abschlussprovision und „geringere Verwaltungskosten“ anfallen. „In unserer Modellrechnung unterstellen wir Kosten von 0,3 Prozent pro Jahr, bezogen auf das angesparte Kapital“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des vzbv-Teams Finanzmarkt. Zudem fallen definitiv Einrichtungskosten beim Arbeitgeber, beim Träger (intern und damit für Steuerzahler) sowie für den Fondsmanager an.

Keine staatlichen Subventionen nötig

Das bestätigt Mohn: „Die Extrarente soll keine Subventionen erhalten. Und was der öffentliche Träger kostet, ist von den Sparern zu bezahlen. Dasselbe gilt für die Verwaltungsgebühren im Fonds und für die Information und Beratung“. Ob das unterm Strich billiger wird als bei der Riester-Rente oder in der bAV, ist nicht sicher.

„Es geht darum, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten“, betont die Finanzexpertin der vzbv. Kosten für Garantien sollen reduziert werden durch die Möglichkeit, auf Garantien weitestgehend zu verzichten. „Vermittlungskosten sollen stark reduziert werden durch das Opt-out, die Verwaltungskosten können durch Ausschreibungen der Kapitalanlage über den staatlichen Träger reduziert werden“, hofft Mohn.

Ordnungspolitischer Fehlgriff in die zweite Säule

Harsch war die Absage an die Extrarente von Heribert Karch, bis diese Woche noch Vorsitzender der aba Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung und weiterhin Chef des Versorgungswerkes Metallrente. „Niedrige Kosten sind kein Alleinstellungsmerkmal der Extrarente, das kann auch eine kollektiv organisierte bAV.“

Aber einen Finanzierungskompromiss herbeiführen, wie etwa die Tarifparteien, das könne die Extrarente nicht. „Deshalb kann sie ebenso wenig wie andere ähnliche Modelle diejenigen erreichen, die es am nötigsten bräuchten. Wir brauchen einen Deal mit sozialem Inhalt anstatt immer neuer Förmchen“, kritisierte Karch diese Woche auf der 81. aba-Jahrestagung in Bonn.

Ordnungspolitisch würde die Extrarente in die bAV eindringen, was für eine privat deklarierte Vorsorge keinen Sinn ergibt. Auch die monatlichen Einzahlungen von 4,0 Prozent des Bruttolohns als Basisversion der Extrarente erinnern verdächtig an die bAV-Entgeltumwandlung. Arbeitgeber würden sich bedanken, wenn sie neben fünf bAV-Durchführungswegen auch noch auf die Organisation einer privaten Extrarente verpflichtet werden.

„Die Extrarente ist eine private Altersvorsorge, Vertragsnehmer ist der Arbeitnehmer, nicht der Arbeitgeber“, erklärt Mohn auf Nachfrage von procontra ONLINE. Der Arbeitgeber habe nur die Rolle, das Geld durchzuleiten, also auf das individuelle Konto des Arbeitnehmers einzuzahlen. „Das Optout betrifft naturgemäß nur abhängig Beschäftigte“, so Mohn weiter. Alle anderen müssten „aktiv reinoptieren, wenn sie die Extrarente als Vorsorge nutzen wollen“.

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