Konterkariert vzbv-Extrarente den Standard-Riester?

Berater Top News von Detlef Pohl

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband schlägt als Zwangs-Altersvorsorge eine „Extrarente“ vor. Die hat jedoch Haken und Ösen. Und erweist sich bei näherer Betrachtung als Zusatzbelastung für Arbeitgeber und weniger kostengünstig als erhofft.

Die Extrarente soll anders als die Riester-Rente ohne Garantien und weniger sonstigen Kosten auskommen, aber vorwiegend über die Arbeitgeber angeboten werden, hofft Dorothea Mohn. Bild: vzbv

Viele tun viel zu wenig über die staatliche Rente hinaus für einen finanziell gut gepolsterten Ruhestand. Damit wird es im Alter womöglich sehr knapp. Daher will der Staat Arbeitnehmern über die staatlich Betriebs-, Basis- und Riester-Rente zu mehr Geld im Alter verhelfen. Bislang mit mäßigem Erfolg (procontra berichtete).

Der Stillstand könnte zumindest bei Betriebsrenten alsbald staatlichen Zwang zur Teilnahme auslösen (procontra berichtete). Daher sprießen immer neue Vorschläge, wie der Staat oder seine Helfershelfer die Bürger mit einer einfachen, wirksamen und erfolgreichen Zusatzvorsorge beglücken können. Eine neuere Idee stammt vom Münchener Ifo-Institut mit seinem „Bürgerfonds“. Der würde auf Kredit angespart und brächte am Ende nur eine sehr bescheidene Ausbeute (procontra berichtete).

Extrarente statt Standard-Riester

Nahezu zeitgleich hat der Bundeszentrale-Bundesverband (vzbv) einen eigenen Vorschlag für die kapitalgedeckte Altersvorsorge unterbreitet, der die Schwächen der Riester-Rente ausbügelt: die „Extrarente“. Sie soll ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt für die private Altersvorsorge sein – quasi als Antwort auf die im Koalitionsvertrag fixierte Einführung eines „attraktiven standardisierten Riester-Produkts“. Die Riester-Rente funktioniere nicht ausreichend gut, Verbrauchern würden „meist teure, unrentable und unflexible Rentenversicherungen angeboten“, heißt es zur Begründung.

Hohe Kosten für die Verwaltung der Verträge und die Abschlussprovisionen der Vertriebe verringerten die sowieso schon geringe Riester-Rendite weiter, kritisiert der vzbv. Zusatzvorsorge über den Kapitalmarkt müsse aber weder kompliziert noch teuer sein, heißt es mit Verweis auf die Ergebnisse in Schweden und Großbritannien. Soweit der Ansatz.

Arbeitgeber soll private Extrarente organisieren

Bei näherer Betrachtung zeigen sich jedoch mehrere Haken und Ösen. So sollen Verbraucher über ihren Arbeitgeber automatisch in die Extrarente einbezogen werden, quasi als verpflichtende, arbeitgebergestützte Privatvorsorge mit Opt-Out-Option. Soll heißen: Sie könnten der erstmaligen Einbeziehung sechs Monate lang widersprechen und erhalten dann alle Beiträge zurück (Opt-Out). Auch Verbraucher, die nicht automatisch einbezogen werden, wie Selbstständige, Hausfrauen oder Beamte, könnten proaktiv in die Extrarente einzahlen (Opt-In).

Das Opt-out-Prinzip kennt man schon heute aus der betrieblichen Altersversorgung (bAV): Der Arbeitgeber macht ein Angebot, der Arbeitnehmer nimmt es ohne Beratung an oder lehnt ab. Das Ganze ist bis dahin kostengünstig, da keine Beratung stattfinden muss. Doch will der Arbeitnehmer einen Rat, weil er sich nicht entscheiden kann, müsste er dafür eigentlich die Kosten tragen.

Das will in der Politik aber niemand hören, und auch die vzbv verschließt da scheinbar die Augen. Gleichwohl verweist die vzbv in ihrem Papier Verbraucher zur Beratung auch auf die hauseigenen Verbraucherberatungsstellen. Die sind jedoch auch nicht kostenlos.

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