Gilt der gesetzliche Unfallschutz auch am Briefkasten?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Eine Frau hatte auf dem direkten Heimweg von der Arbeit einen privaten Brief einwerfen wollen und sich dabei verletzt. Ob sie dabei noch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stand, konnte erst das Bundessozialgericht entscheiden.

Auf dem direkten Heimweg von der Arbeit noch schnell einen privaten Brief einwerfen: Gilt hier noch der gesetzliche Schutz oder braucht es im Schadenfall schon die private Unfallversicherung?

Auf dem direkten Heimweg von der Arbeit noch schnell einen privaten Brief einwerfen: Gilt hier noch der gesetzliche Schutz oder braucht es im Schadenfall schon die private Unfallversicherung? Bild: Pixabay

Der gesetzliche Unfallversicherungsschutz gilt neben der Ausübung der beruflichen Tätigkeit auch auf dem Arbeitsweg. Dieser erstreckt sich auf den direkten Weg von der Haustür zum Arbeitsplatz und zurück. Schon kleine Unterbrechungen setzen den Versicherungsschutz außer Kraft. Ob dazu auch das Einwerfen eines privaten Briefes zählt, wollte eine Frau vom Bundessozialgericht (BSG) entschieden wissen.

Und das nicht grundlos: Sie hatte am 18. März 2014 auf dem Heimweg von ihrer Arbeitsstätte mit dem Auto an einem Briefkasten gehalten, um dort einen Privatbrief einzuwerfen. Beim Aussteigen war sie gestürzt, wobei das Fahrzeug über ihren linken Fuß rollte. Aufgrund der entstandenen Verletzung wollte sie Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung beziehen. Diese lehnte die Anerkennung als Arbeitsunfall jedoch ab, weshalb die Frau zunächst vor dem Sozialgericht Chemnitz klagte (Az.: S 4 U 362/14).

Dieses gab ihr zunächst Recht. Schließlich habe es sich zeitlich und räumlich lediglich um eine geringfügige Unterbrechung des versicherten Wegs gehandelt. Da die Verrichtung des Briefeinwerfens "im Vorbeigehen" und "ganz nebenher" sowie ohne nennenswerte zeitliche Verzögerung erledigt werden könnte, sei der Versicherungsschutz nicht außer Kraft getreten.

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