bAV-Entwicklung "völlig unzureichend"

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Die Ausbreitung von Betriebsrenten stagniert weiter. Daher gibt sich die Lobby, insbesondere die aba, in diesen Wochen kämpferisch. Der alte Chef verabschiedete sich mit einer Brandrede, der Neue hat sich schon erste parlamentarische Wunden geholt.

Georg Thurnes ist neuer Vorstandsvorsitzender der aba und hauptberuflich weiter Chefaktuar von Aon Deutschland.

Georg Thurnes ist neuer Vorstandsvorsitzender der aba und hauptberuflich weiter Chefaktuar von Aon Deutschland. Bild: Sandra Wildemann

Viele tun zu wenig über die staatliche Rente hinaus für einen finanziell gut gepolsterten Ruhestand. Daher will der Staat Arbeitnehmern über die Betriebsrente zu mehr Geld im Alter verhelfen. Bislang mit mäßigem Erfolg. Der Stillstand könnte alsbald staatlichen Zwang zur Teilnahme auslösen (procontra berichtete).

Grund genug, auf der kürzlichen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) Tacheles zu reden. Die aba ist nach eigenem Selbstverständnis der deutsche Fachverband für alle Fragen der bAV in Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst. Sie vereint Unternehmen, Versorgungseinrichtungen, versicherungsmathematische Sachverständige und Beratungshäuser, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften sowie Versicherer, Banken und Investmenthäuser. Satzungsgemäß agiert man neutral und unabhängig vom jeweiligen Durchführungsweg für Bestand und Ausbau der bAV.

Schwache bAV-Entwicklung

„Die Verbreitung der bAV nimmt zu, wir sehen klar erste Effekte des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes (BRSG)“, erklärte Heribert Karch, bislang aba-Vorsitzender, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nach acht Jahren aufgab, aber weiter Geschäftsführer des Versorgungswerks MetallRente bleibt. Nach einer sehr zähen Entwicklung mit zusammen nur 500.000 Zusagen in den Jahren 2015 bis 2017 meldeten seit Inkrafttreten des BRSG zum 1. Januar 2018 allein Direktversicherungen ein Plus von acht Prozent, darunter tausende neue Zusagen für Geringverdiener.

„So sehr wir uns über jeden Zuwachs freuen, so ernüchtert müssen wir abermals feststellen, dass dieser Trend gemessen an der gesellschaftlichen Herausforderung völlig unzureichend ist“, kritisierte Karch in seiner letzten Rede als aba-Chef. Bei einem Verbreitungsgrad nunmehr von etwa 56 Prozent sei Deutschland Lichtjahre davon entfernt, bis zum Ende dieses großen Reformprozesses 2030 die notwendige Verbreitung der bAV zu erreichen. „Bis dahin wären mit den bisherigen Strategien maximal 60 bis 70 Prozent Verbreitung machbar, also 30 Prozentpunkte Aufwuchs in 30 Jahren, andere entwickelte Länder könnten über uns nur noch den Kopf schütteln“, so Karch.

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