Angst vor Juwelenraub: Gilt der Unfallschutz auch auf Umwegen?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Als Sicherheitsmaßnahme für ein Juweliergeschäft wählte eine Mitarbeiterin regelmäßig einen Umweg zu ihrem Arbeitsplatz. Ob sie auf diesem noch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stand, musste das Osnabrücker Sozialgericht entscheiden.

Besteht der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fort, wenn man aus Angst vor Kriminellen vom direkten Arbeitsweg abweicht?

Besteht der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fort, wenn man aus Angst vor Kriminellen vom direkten Arbeitsweg abweicht? Bild: Pixabay

Bei rechtlichen Streitigkeiten über Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung spielt regelmäßig der Ort des Unfalls eine Rolle. Denn liegt dieser nicht auf dem direkten Weg zur Arbeitsstelle oder nach Hause, besteht für den Geschädigten kaum eine Chance auf den Erhalt von Leistungen. Dass es aber auch anders laufen kann, zeigt zum Beispiel der folgende Fall.

Was war passiert?

Eine Frau ist seit fast 20 Jahren in einem Juweliergeschäft angestellt. Etwa genauso lang biegt sie morgens gewohnheitsmäßig kurz vor dem Juweliergeschäft zu einem circa 180 Meter entfernten Parkhaus ab. Dort trifft sie sich mit der Geschäftsführerin des Betriebs, die auch im Besitz des Schlüssels für den Laden ist. Zur Erhöhung der Sicherheit, beispielsweise um Juwelenräuber abzuschrecken. Legen die beiden Frauen den Weg vom Parkhaus zum Juweliergeschäft dann gemeinsam zurück.

An einem Morgen im Februar 2018 rutschte die Angestellte aber während des morgendlichen Wegerituals mit ihrem Fahrrad auf Glatteis aus und erlitt einen Bruch des Wadenbeins. Die Berufsgenossenschaft wollte dies aber nicht als Arbeitsunfall anerkennen, da sich die Frau zum Unfallzeitpunkt nicht auf dem direkten Weg zu ihrer Arbeitsstätte befunden habe. Dagegen klagte die Frau.

Das Urteil

Das Sozialgericht Osnabrück gab der Klägerin Recht (Az.: S 19 U 123/18). Aus Sicht des Gerichts zählt auch der Weg zum Parkhaus als versicherter Weg, da er der versicherten Beschäftigung der Frau zuzurechnen ist. Schließlich hatte die Angestellte den direkten Weg zu ihrer Arbeitsstelle nicht aus eigenwirtschaftlichen Gründen verlassen, sondern auf Verlangen ihrer Chefin, die ihr gegenüber weisungsbefugt ist.

Die Richter erklärten dazu, dass der gemeinsame Weg vom Parkhaus zum Juweliergeschäft ein aus Sicherheitsaspekten dem Unternehmen dienender Grund sei und nicht nur eine nette Geste der Klägerin. Weiter hieß es, die Begleitung sei objektiv sinnvoll, da der Gefahr eines Überfalls begegnet werden soll. Deshalb handle es sich hierbei auch um einen Arbeitsunfall, für den die Berufsgenossenschaft zu leisten habe. Das Urteil vom 16. Mai 2019 ist allerdings noch nicht rechtskräftig.