Altersvorsorgepflicht: Für viele Selbstständige die letzte Rettung?

Berater Meistgeklickt von Florian Burghardt

Ab 2020 soll eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige gelten. Dass diese dringend notwendig ist, belegen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage. So stützen sich die Ruhestandsplanungen vieler Selbstständiger auf zum Teil diffuse Hoffnungen.

Eine Altersvorsorgepflicht könnte viele Selbstständige vor der drohenden Altersarmut retten. Denn eine Umfrage offenbart bislang eher paradoxe Vorstellungen hinsichtlich der finanziellen Ruhestandsplanung.

Eine Altersvorsorgepflicht könnte viele Selbstständige vor der drohenden Altersarmut retten. Denn eine Umfrage offenbart bislang eher paradoxe Vorstellungen hinsichtlich der finanziellen Ruhestandsplanung. Bild: Pixabay

Ab nächstem Jahr soll eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige gelten. So plant es die Große Koalition (GroKo). Aus Sicht vieler Experten ist das ein notwendiger Schritt, unter anderem weil rund drei Millionen Selbstständige noch gar keine finanzielle Vorsorge fürs Alter betreiben würden.

Diese Zahlen werden von den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage durch die Quirin Privatbank aus Berlin untermauert. Von den 1.008 im März und April befragten Selbstständigen und Freiberuflern machen sich zwei Drittel Sorgen um ihre finanzielle Absicherung im Alter. Wie bei den angestellten Arbeitnehmerinnen sehen sich auch weibliche Selbstständige (68 Prozent) stärker von einer Versorgungslücke im Alter bedroht als ihre männlichen Gegenüber (59 Prozent).

Diffuse Hoffnungen

Die meisten Selbstständigen bauen in Sachen Altersvorsorge auf den Wert ihrer Firma. Zwar gaben 30 Prozent der Umfrageteilnehmer an, sich noch nicht mit einem möglichen Verkaufserlös ihres Unternehmens beschäftigt zu haben bzw. davon generell keine Ahnung zu haben. Die übrigen 70 Prozent gehen aber im Durchschnitt davon aus, dass sie mit dem Verkauf ihrer Firma etwa die Hälfte der notwendigen Rücklagen für ihren Ruhestand schaffen werden.

Diese Hoffnung auf einen relativ hohen Verkaufserlös ist aber paradox, verglichen mit den eher diffusen Planungen hinsichtlich eines Firmenverkaufs. So können 52 Prozent der Befragten noch überhaupt nicht abschätzen, in welchem ungefähren Alter sie ihr Unternehmen einmal verkaufen könnten. Käme es zum Verkauf an einen Familienangehörigen, so wären die Selbstständigen dazu bereit, im Durchschnitt 45 Prozent unter dem Marktwert zu verlangen. Etwas mehr als jeder Vierte würde seine Firma sogar innerhalb der Familie verschenken. Eine Beratung in Sachen Firmenverkauf lehnen 28 Prozent der Befragten kategorisch ab.

Was plant die Regierung?

Die Ergebnisse der Umfrage lassen vermuten, dass sowohl die Sorgen der Selbstständigen um ihre finanzielle Versorgung im Alter als auch die der Politik nicht unrealistisch sind. Eine Altersvorsorgepflicht erscheint aus diesem Blickwinkel dringend notwendig.

Wie diese konkret aussehen soll, steht noch nicht fest. Zuletzt hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil seine Pläne in dieser Hinsicht aber etwas konkretisiert. Grundsätzlich sollen Selbstständige in Zukunft zwischen einer Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) oder über private Vorsorgeprodukte wählen können. Für procontra haben zwei Bundessachverständige die Vorteile und Möglichkeiten sowohl der privaten Vorsorge als auch der GRV-Variante analysiert.

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