Wohngebäudeschutz: Smart aus der Krise

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Verbesserte Schadenabwicklung

Um die eigenen Kosten zu senken, könnten die Versicherer alternativ auf eine Effizienzsteigerung bei der Schadensabwicklung setzen. Hier kommen Firmen wie das 2018 gegründete StartUp Oqio ins Spiel. Auch in München sieht man das Problem der Wohngebäudeversicherung in den Frequenzschäden. „Es sind die kleinen Schadensregulationen, bei denen die Versicherer zu viel bezahlen und keine Kontrolle haben“, meint Oqio-Gründer Dirk Jakob.

Vor allem große Wohnungsunternehmen würden beim Versicherungsschutz auf Zurückhaltung seitens der Versicherer treffen. „Dabei liegt gerade in der Gesundung von diesen großen Portfolien die Gelegenheit, die Gebäudeversicherung in Richtung der schwarzen Zahlen zu bewegen“, so Jakob.
Oqio will dabei als digitale Schnittstelle zwischen Versicherern, Wohnungsunternehmen und Schadensanierern agieren und eine automatisierte und transparente Bearbeitung von Schäden ermöglichen. Ungenaue, zu hohe Abrechnungen sollen so verhindert werden. Durch Monitoring sollen zudem Schadenhäufungen analysierbar und durch „Predictive Maintenance“ vorhersehbar gemacht werden. Knapp 1.000 Gebäudeversicherungsschäden werden nach eigenen Angaben derzeit im Jahr mit der entwickelten Online-Plattform abgewickelt. „Die Combined Ratio des mit unserer Software betreuten Wohnungsbestandes konnte durch Oqio von 127 Prozent im Jahr 2015 bis heute auf 60 Prozent gesenkt werden“, erzählt Jakob. Hierdurch hätten Kosteneinsparungen im sechsstelligen Bereich erzielt werden können.

Neue Bedingungen

Zu beobachten ist darüber hinaus, dass viele Anbieter bei den Vertragsbedingungen Hand anlegen. So hat Makler Brück in einigen Bereich Rückzeichnungen feststellen können. Ein Beispiel seien hier die Ableitungsrohre unterhalb und außerhalb des Gebäudes. „In den 90er-Jahren war dies eine recht gängige Deckung. Mittlerweile ist es selten geworden, dass sie diese in einer solchen Offenheit bekommen“, beschreibt Brück die Entwicklungen der jüngeren Zeit. So sei die Deckung heute oftmals von einer Vielzahl von Bedingungen abhängig, beispielsweise einer Dichtigkeitsprüfung, einem bestimmten Höchstalter der Rohre oder nur gegen einen erheblichen Mehrbeitrag. „Es gibt da mittlerweile einen irren Wildwuchs an Bedingungen“, sagt Brück.

Ein weiteres Beispiel für Einschränkungen durch den Versicherer seien umgestürzte Bäume. Wurde dieser Terminus in früheren Vertragswerken meist nicht weiter spezifiziert, sind heute oftmals nur Schäden gedeckt, die von Bäumen ausgehen, die auf dem Grundstück des Versicherungsnehmers stehen. Stammt der umstürzende Baum indes vom Nachbarsgrundstück, bleibt der Versicherungsnehmer auf dem Schaden sitzen.

Als weiteren Trend hat der Düsseldorfer Makler die vermehrte Vereinbarung von Selbstbehalten feststellen können, die meist zur Abfederung von Beitragserhöhungen genutzt werden. „Ich vermute, in einigen Jahren wird es im Neugeschäft obligatorische Selbstbeteiligungen geben, die gegebenenfalls gegen Mehrbeitrag gestrichen werden können.“

Was sollten Makler tun?

Ob Maßnahmen wie Smart-Home-Tarife, Rückzeichnungen oder eine effizientere Schadenabwicklung die Wohngebäudeversicherung für die Unternehmen wieder profitabel machen und größere Beitragserhöhungen zu vermeiden helfen, bleibt abzuwarten. Darauf verlassen sollten sich Makler nicht und dieses Thema deshalb offensiv ansprechen. Schließlich sind sie es, die zumeist die Verärgerung der Kunden als erster abbekommen. „Dem Frust seiner Kunden kann mit Kommunikation zumindest teilweise begegnet werden“, meint Makler Brück. „In unseren regelmäßigen Kundeninformationen thematisieren wir die Schadensituation in der Wohngebäudeversicherung und bereiten unsere Kunden auf anstehende Beitragsanpassungen vor.“ Zudem sei es wichtig, bei der Auswahl der Tarife darauf zu achten, dass diese auch seriös kalkuliert seien. „Super Leistung zum kleinen Preis geht nicht lange gut.“

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