Wohngebäudeschutz: Smart aus der Krise

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Problem an der Wurzel packen

„Leitungswasserschäden sind in der Gebäudeversicherung ein zentrales Problem und letzten Endes für die Verlustsituation der Branche in den vergangenen 20 Jahre verantwortlich“, sagt Dr. Christof Mackrodt, Abteilungsleiter für Kalkulation und Produktmanagement bei der Provinzial Rheinland. Doch obwohl das Problem seit gut 20 Jahren besteht, gibt es bislang keine zufriedenstellende Lösung Die wachsenden Schadenaufwendungen machen immer wieder Beitragssteigerungen für die Kunden unumgänglich. „Dabei würden wir das Problem viel lieber bei der Wurzel packen“, so Mackrodt.

Auch im vergangenen Jahr haben zahlreiche Anbieter an der Preisschraube gedreht. „Ich habe im vergangenen Jahr bzw. zum 1. Januar dieses Jahres Beitragssteigungen von bis zu 15 Prozent verzeichnen können“, sagt Johannes Brück. „Weitere Beitragssteigerungen werden voraussichtlich folgen“, ist der Düsseldorfer Makler überzeugt.

Doch sind Beitragssteigerungen wirklich das einzige Mittel, mit denen die Versicherer die Wohngebäudeversicherung für sich wieder lohnend gestalten können? Seit einiger Zeit setzen immer mehr Anbieter mit einem Smart-Home-Ansatz verstärkt auf das Thema Prävention. So gab die Provinzial Rheinland im vergangenen Jahr eine Kooperation mit dem Armaturenhersteller Grohe bekannt. Kunden wird dabei ein Angebot für Wassersensoren unterbreitet. Diese sorgen dafür, dass automatisch die Wasserzufuhr beendet wird, wenn sie in Kontakt mit Wasser kommen, beispielsweise nach einem Rohrbruch.

„Bislang wurden die Grohe-Geräte bei 30 unserer Mitarbeiter installiert, um zu untersuchen, wie diese im alltäglichen Betrieb funktionieren“, beschreibt Mackrodt den aktuellen Projektstand bei der Provinzial. Schließlich soll den Kunden das Wasser nicht abgestellt werden, wenn diese gerade unter der Dusche stehen. „Das war bei Vorgängermodellen anderer Hersteller zu beobachten. Diese waren im Betrieb so instabil, dass immer mal wieder Störungen zu verzeichnen waren“, erinnert sich Mackrodt. Das heutige Modell sei hingegen weitaus ausgereifter, obwohl es auch hier einige Punkte zu beachten gilt. So ist eine stetige W-Lan-Verbindung für das Gerät Voraussetzung. Auch verhindere das Gerät den Wasseraustritt nicht komplett, eine gewisse Karenzzeit vom Wasseraustritt bis zur Ventilsperrung muss in Kauf genommen werden.

Preisnachlässe bei der Gebäudeversicherung

Die Provinzial ist mit diesem Ansatz auf dem deutschen Versicherungsmarkt nicht allein. Kooperationen mit Grohe haben auch die Gothaer sowie zuletzt HDI abgeschlossen. Um die Kunden vom Einbau der Wassersensoren zu überzeugen, wirbt HDI mit Preisnachlässen bei der Gebäudeversicherung. Auch die Alte Leipziger, die zusammen mit Pipe Systems die Smart-Home-Lösung „Waterleck Protect“ anbietet, gewährt Kunden Nachlässe von zehn Prozent.

„Für uns ist die Kooperation mit Grohe ein strategischer Ansatz, um die Probleme beim Thema Leitungswasser in den Griff zu bekommen. Ob dies der richtige Ansatz ist, dafür fehlt bislang noch der Nachweis – daran arbeiten wir gerade“, erklärt Mackrodt und verweist auf die fortlaufenden Analysen bei der Provinzial. Sind die Kunden bereit, die intelligenten, aber auch recht preisintensiven Ventile zu installieren? Wie hoch ist das Einsparpotenzial für den Versicherer? Und rechtfertigen die Einsparungen Bezuschussungen beim Einbau der Geräte oder Rabattierungen bei den Tarifen? Diese Fragen gilt es für den Düsseldorfer Versicherer noch zu klären.

Auch der Vertrieb muss von den neuen Smart-Home-Lösungen erst einmal überzeugt werden. In Maklerkreisen werden diese Tarife oftmals noch skeptisch betrachtet. Es fehle schlicht und einfach an Erfahrungswerten, lautet ein gängiger Einwand.

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